Die Organ- und Gewebespende ist ein Thema, zu dem große Wissenslücken bestehen. Das belegen regelmäßige Befragungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).
So geht laut der jüngsten Repräsentativbefragung rund die Hälfte der Befragten irrtümlicherweise von einer oberen Altersgrenze für eine Organspende aus. Jeder fünfte Befragte zwischen 56 und 75 Jahren gebe sogar an, aus diesem Grund bisher keine Entscheidung für oder gegen eine Organspende getroffen zu haben, hat das BIÖG Ende September mitgeteilt. [1]
Einschnitte im Praxisalltag
Dass das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz unter anderem die EBM-Ziffer 01480 zur Beratung zur Organspende gestrichen hat, erscheint vor dem Hintergrund dieser Wissenslücken umso unverständlicher. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat die Eingriffe des Spargesetzes in den Praxisalltag (www.hausarzt.link/zFnxQ und www.hausarzt.link/2uwvS) wiederholt scharf kritisiert.
So entfällt ab 1. Januar 2027 unter anderem die bisher mit 65 Punkten bewertete 01480 (8,28 Euro) zur Beratung über Organ- und Gewebespenden. Hausärztinnen und Hausärzte konnten die erst 2022 geschaffene Ziffer alle zwei Jahre abrechnen. BIÖG-Daten zufolge hatten rund 82 Prozent von über 350 befragten Hausärztinnen und Hausärzten innerhalb der ersten zwei Jahre Informationsgespräche zur Organspende geführt. [2]
Dieser Beratungsbedarf wird bestehen bleiben – oder mit neuen gesetzlichen Änderungen womöglich weiter zunehmen. BIÖG und Hausärztinnen- und Hausärzteverband geben Praxisteams deswegen vielfältige Materialien an die Hand, um Versicherte weiterhin niedrigschwellig und vor allem zeiteffizient beraten zu können. Ziel ist, dass Versicherte sich umfassend informieren und so möglichst eigenständig eine persönliche Entscheidung treffen können.
Der Beileger in dieser Ausgabe von “Hausärztliche Praxis” klärt etwa zum Mythos rund um das “Höchst-Spenderalter” auf: Der älteste Organspender in Deutschland war 98 Jahre alt und hat seine Leber gespendet. Auch 2025 war die älteste Person, die ein Organ gespendet hat, 91 Jahre alt. [1] Ob sich Organe für eine Transplantation eignen, entscheiden Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall.
Kontraindikationen auf einen Blick
Dabei geht es sowohl um Wissen für Versicherte als auch um Wissen fürs Praxisteam. So macht die Beilage deutlich, dass nur sehr wenige Krankheiten eine absolute Kontraindikation für Transplantationen darstellen. Für ihre Beratung, die weiterhin alle zwei Jahre strukturiert möglich ist, haben Praxisteams so beispielsweise die wichtigsten Kontraindikationen auf einen Blick zur Hand. Weitere Praxismaterialien sind kostenfrei zu bestellen (s. Link-Tipp).
Quellen:
- BIÖG, Wissen, Einstellung und Verhalten der Allgemeinbevölkerung zur Organ- und Gewebespende 2024, Gesamtforschungsbericht, Dezember 2025, zuletzt aufgerufen am 14.10.2026
- BIÖG, Befragung von Hausärztinnen und Hausärzten zur Organ- und Gewebespende, Forschungsbericht, Juli 2025, zuletzt aufgerufen am 14.10.2026
