Die aktuelle Leitlinie gibt eine starke Negativempfehlung zur Erregerdiagnostik: Eine Erregerdiagnostik soll bei einer Gastroenteritis bei Kindern nur dann durchgeführt werden, wenn therapeutische oder infektionspräventive Konsequenzen zu erwarten sind.
Gründe für diese Negativempfehlung sind unter anderem der selbstlimitierende Verlauf der meisten Gastroenteritiden und die in der Regel virale Ursache hierzulande.
Neu ist auch die starke Negativempfehlung zum Einsatz von Antidiarrhoika, z. B. auf Basis von Tannin, Kohle, Gelatine. Diese Empfehlung wird mit unzureichender Evidenz begründet. Bereits 2023 wurde eine starke Negativempfehlung zum routinemäßigen Einsatz von Probiotika zur Therapie der akuten infektiösen Gastroenteritis in die Leitlinie aufgenommen.
Orale Rehydration ist vorzuziehen
Die folgenden Empfehlungen sind nicht ganz neu, sondern stammen aus dem Update von 2023. Sie beziehen sich aber speziell auf Kinder. Bei Dehydratation ist eine orale Rehydration möglichst vorzuziehen. Diese soll rasch begonnen und auch bei Erbrechen versucht werden.
Die orale Rehydrationslösung kann entweder als Fertigprodukt in Apotheken erworben werden oder nach WHO-Empfehlung selbst hergestellt werden: 1 l Wasser, 4 TL Haushaltszucker, ¾ Teelöffel Salz und 1 Tasse Orangensaft oder 2 zerdrückte Bananen. Laut Leitlinie sollen keine koffeinhaltigen Getränke, Limonaden oder Fruchtsäfte zur oralen Rehydration verwendet werden.
Die Indikationen zur Klinikeinweisung bei Kindern entsprechen denen bei Erwachsenen. So sollte bei schwerer Dehydration, schwerer Grunderkrankung, neurologischer Symptomatik, anhaltend blutiger Diarrhö etc. eine stationäre Einweisung erfolgen. Außerdem sollten Säuglinge mit einem Gewicht <3.500 Gramm, im Alter unter zwei Monaten oder klinischen Hinweisen auf Ileus oder Invagination eingewiesen werden.
Keine Antiemetika routinemäßig geben
Antiemetika sollten auch bei Kindern mit Gastroenteritis nicht routinemäßig zum Einsatz kommen. Dimenhydrinat wird ausdrücklich nicht empfohlen. Ondansetron kann bei schwerem Erbrechen erwogen werden. Allerdings ist die Anwendung off label. Loperamid soll bei Säuglingen und Kindern nicht eingesetzt werden. Bei ausgeprägter Diarrhö kann laut Leitlinie Racecadotril erwogen werden.
Die Autorinnen und Autoren der atd-Arzneimitteldatenbank des arznei-telegramms sehen jedoch weder für Kinder noch für Erwachsene einen Stellenwert von Racecadotril bei akuten Diarrhöen. Sie ziehen eine orale Rehydration vor.
Die Leitlinie gibt für dioktaedrisches Smektit eine Kann-Empfehlung zur Senkung der Durchfalldauer. Die Autorinnen und Autoren der atd-Arzneimitteldatenbank dagegen sehen Smektit als zweifelhaftes Therapieprinzip.
Keine antiinfektive Therapie
Auch bei Kindern soll bei unkomplizierter Gastroenteritis in der Regel keine antiinfektive Therapie erfolgen, auch nicht bei immundefizienten Patientinnen und Patienten.
Nur in spezifischen Situationen sollte eine Antibiotikagabe erfolgen, z. B. bei einer schweren Campylobacter-jejuni-Kolitis, bei einer Salmonellen-Infektion bei Risikokindern (Neugeborene und Säuglinge ≤ drei Monate, Immundefizienz etc.), akuten Shigellen-Infektionen sowie symptomatischen Infektionen durch toxinbildende C. difficile.
Die WHO empfiehlt eine Gabe von Zinksalz für Säuglinge bis zum sechsten Lebensmonat für 10 bis 14 Tage in der Behandlung einer akuten Gastroenteritis. Da die Prävalenz eines Zinkmangels bei Kindern ohne Vorerkrankungen in Industrieländern gering ist, wird in der Leitlinie keine Zinksupplementation bei Kindern in gutem Ernährungszustand empfohlen. Bei untergewichtigen Kindern mit Diarrhö kann ab dem sechsten Lebensmonat eine Gabe von Zink erwogen werden.
Die Leitlinie bezieht sich auch auf Jugendliche. Ab wann sie wie Erwachsene zu behandeln sind, überlassen die Autorinnen und Autoren der Leitlinie offenbar dem gesunden Menschenverstand. Die gute Botschaft ist: Eine Gastroenteritis verläuft auch bei Kindern in der Regel limitiert, ist meistens viral bedingt, erfordert in der Regel weder Stuhldiagnostik noch Antibiotikagabe und wird symptomatisch behandelt.
Besondere Vorsicht ist jedoch bei Neugeborenen und Säuglingen sowie Kindern mit Immundefizienz und chronischen Vorerkrankungen geboten.
