Die Auswahl des am besten geeigneten Geräts ist für eine erfolgreiche Inhalationstherapie entscheidend. Zudem gilt es, den Patienten die korrekte Inhalationstechnik zu vermitteln, diese regelmäßig zu kontrollieren und ggf. zu korrigieren. Welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Inhalationssystemen müssen Sie dabei beachten?
AUTOREN:
Dr. med Thomas Hausen
Dr. med. Peter Haidl
Gültig bis 15. Mai 2027.
VNR: 2760909015295040015
2 CME-Punkte
Die Bayerische Landesärztekammer hat diesen Beitrag in der Kategorie I zur zertifizierten Fortbildung freigegeben.
Lernziele Nach der Lektüre dieser CME-Fortbildung sollten Sie wissen … … welche Faktoren die bronchiale Deposition beeinflussen, … wie sich die verschiedenen Inhalationssysteme unterscheiden, … was es bei ihrer Anwendung zu beachten gilt, … und welche Fragen Sie sich bei der Auswahl des Inhalationsgeräts stellen sollten.
Bei Atemwegserkrankungen gilt die inhalative Applikation von Medikamenten als Goldstandard. Seit Einführung der inhalierbaren Kortikoide und langwirkenden Bronchodilatatoren haben alle oral zu applizierenden Substanzen an Bedeutung verloren; sie sind nur mehr in extrem seltenen Situationen indiziert. Die Aufgabe des Therapeuten besteht darin, das für den individuellen Patienten am besten geeignete Gerät klimabewusst [1] auszuwählen. Er muss den korrekten Inhalationsvorgang vermitteln, regelmäßig kontrollieren und eventuell korrigieren. Studien zur Überprüfung der Inhalationstechnik zeigen, dass 50 bis 80 Prozent aller Untersuchten einen oder mehrere entscheidende Fehler bei der Inhalation machen und damit den Erfolg der Therapie aufs Spiel setzen [2].
Dabei erreicht auch bei optimalen Voraussetzungen und korrekter Inhalationstechnik nur ein geringer Teil des Wirkstoffs, der das Inhalationssystem verlässt, die unteren Atemwege. Dieser Anteil ist abhängig von einer Vielzahl von Faktoren, die im Weiteren besprochen werden. Daher ist nur eine korrekte Inhalation die „Garantie“ für eine erfolgreiche Therapie.
Merke: Auch bei korrekter Inhalationstechnik erreicht nur ein geringer Teil des Wirkstoffs die unteren Atemwege.
Richtig inhalieren
Entwicklungsgeschichtlich besteht die Aufgabe des Respirationstrakts darin, den Gasaustausch sicherzustellen. Gleichzeitig soll aber die Inhalation und endobronchiale Deposition von in der Luft befindlichen „Schadstoffen“ klein gehalten werden. Dazu dient der Filter der Nase, aber auch die Anatomie des Rachens mit seiner starken Krümmung, die die Passage von Partikeln behindert. Hinzu kommt der Selbstreinigungsmechanismus mit der mukoziliären Rolltreppe, der Husten und die alveoläre Clearance durch Makrophagen. Die Inhalation mit einer gewollten Überwindung dieser Hindernisse ist also unphysiologisch [3] und wird nur beim inhalativen Rauchen „fast“ intuitiv korrekt gemacht. Das Inhalationsmanöver erfolgt somit nicht intuitiv, woraus ein hoher Schulungsbedarf resultiert.
Faktoren, die die bronchiale Deposition beeinflussen [4]
Die bronchiale Deposition unterliegt großen inter- und intraindividuellen Unterschieden. Meistens erreicht nur ein kleiner Teil des Inhalats seinen Zielort. Teilchen, die größer als 2 µm sind, werden bei Nasenatmung fast ausschließlich in der Nase zurückgehalten. Teilchen mit einer Größe über 10 µm werden bei Mundatmung bereits im Mund-Rachenbereich abgeschieden und gelangen nicht ins Bronchialsystem.
Tiefe und Dosis der bronchialen Deposition hängen neben individuellen Differenzen von der Lungenfunktion, besonders einer Obstruktion, Atemtiefe und -frequenz, der Luftfeuchtigkeit sowie von Mund- oder Nasenatmung ab. Die Deposition halbiert sich bei der Steigerung der Atemfrequenz von 7 auf 21 pro Minute.
Erfolgt die Inhalation mit einem Vernebler über eine Maske und der Patient atmet über den Mund ein, beträgt die Lungendepositon circa 12,5 Prozent, inhaliert der Patient aber bei geschlossenem Mund durch die Nase, nur 1,5 Prozent [5]. Vorgaben für eine optimale Deposition sind die tiefe Ausatmung vor der Inhalation, ein möglichst hohes Atemzugvolumen und das Atemanhalten am Ende der Inspiration. [6]
Partikelgröße
Die Teilchengröße bestimmt die erreichbare Tiefe (s. Abb.1). Je größer die Teilchen sind, desto größer die Impaktion (Massenträgheit) und desto schwerer können sie bei hoher Geschwindigkeit des Luftstroms einer Richtungsänderung folgen. Dadurch kommt es sehr früh zu Ablagerungen in den zentralen Atemwegen und an den Aufzweigungen des Bronchialsystems. Die Impaktion ist auch für einige Nebenwirkungen verantwortlich.
Teilchen mit einer Größe von 1 bis 5 µm können den Richtungsänderungen folgen und gelangen tiefer in die Atemwege. Der Anteil von Teilchen dieser Größe bestimmt die zu erwartende Deposition.Im Verlauf des Atemmanövers sinken die Partikel der Schwerkraft folgend und können dadurch Kontakt mit der Wand erhalten. Je kleiner die Partikel sind, desto langsamer sinken sie zu „Boden“ und umso bedeutender wird die Atemanhaltezeit. Diese Sedimentation ist der wichtigste Mechanismus für die therapeutische Wirkung inhalierter Aerosole.
Teilchen unter 1 µm passieren alle Hindernisse und gelangen bis in die Alveolen, wo sie in der Schwebe bleiben und nur durch zufälligen Wandkontakt infolge der Brownschen Molekularbewegung „kleben“ bleiben. Ein Großteil dieser Partikel bleibt trotz Atemanhalten in Schwebe und wird wieder abgeatmet. Das Ausatmen durch die Nase gibt einzelnen Partikeln eventuell die Möglichkeit, noch dort zu deponieren und einen Effekt zu bewirken.