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BAM-KongressVon Hitzewallungen bis Herzbeschwerden

Die Menopause ist längst kein Tabuthema mehr, die Gesellschaft ist wesentlich offener geworden. Damit steigt auch der Beratungsbedarf in der Hausarztpraxis.

Frauen in den Wechseljahren: Es gibt ein neues Bewusstsein für die Symptome, die weniger tabuisiert sind.

Die Symptome der Wechseljahre sind sehr variabel und können fast jedes Organ betreffen: sie reichen von Blutungsunregelmäßigkeiten und Hitzewallungen bis hin zu urogenitalen Symptomen wie Stress- und Dranginkontinenz sowie rezidivierenden Harnwegsinfekten (HWI), kognitiven Einschränkungen, Schlafstörungen, Herz- und Gelenkbeschwerden, Migräne und Allergien.

Hinzu kommt, dass jede Frau die Symptome als unterschiedlich belastend empfindet: In Studien hat sich gezeigt, dass auch der kulturelle Hintergrund und das soziale Umfeld Einflussfaktoren sind. Kurzum: “Der Beratungsbedarf ist enorm”, erklärte Dr. Sabine Gehrke-Beck beim BAM-Kongress 2025.

Vasomotorische Symptome am häufigsten

Am häufigsten werden von Frauen in den Wechseljahren vasomotorische Symptome (VMS) wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche angegeben. “Prinzipiell ist Abwarten hier eine gute Therapieoption”, so Gehrke-Beck. Studien hätten gezeigt, dass die Zeitspanne, in der Frauen über Hitzewallungen berichten, bei rund sieben Jahren liege. “Untersuchungen zeigen einen großen Placeboeffekt von 50 bis 60 Prozent, wahrscheinlich auch durch Besserung der Symptome im Verlauf”, so die Ärztin vom Institut für Allgemeinmedizin an der Charité Berlin.

Als nicht-medikamentöse Therapieoptionen, für die ein Nutzen bei VMS belegt sei, nannte Gehrke-Beck kognitive und Verhaltenstherapien. Nicht-hormonelle Optionen seien Isoflavone und Cimicifuga, wobei deren Wirksamkeit nicht sicher nachgewiesen sei.

“Die Sicherheit vieler Präparate mit Cimicifuga und Phytoöstrogenen ist ungewiss. Es wurden Interaktionen mit anderen Arzneimitteln berichtet. Nutzerinnen von Cimicifuga-Produkten sollten registrierte Arzneimittel verwenden”, heißt es in der S3-Leitlinie dazu [1] (derzeit in Überarbeitung).

Auch für Sport ist der Nutzen laut Gehrke-Beck unwahrscheinlich. “Am effektivsten bei moderaten bis schweren VMS ist tatsächlich die Hormonersatztherapie (HRT), wobei Nutzen und Schaden individuell abgewogen und besprochen werden müssen.” Laut Leitlinie lässt sich die Frequenz der Hitzewallungen pro Woche durch jede Form der HRT um 75 Prozent reduzieren.

Cave: Eine systemische Hormontherapie ist bei Frauen nach einem kardiovaskulären Ereignis, Mamma- und Endometriumkarzinom kontraindiziert.

Wichtig:

  1. Bei Frauen mit Uterus kommen aufgrund der Risikoerhöhung für ein Endometriumkarzinom (s. Tab.1) nur Kombinationstherapien aus Östrogenen und Gestagenen (EPT) infrage.
  2. Bei Frauen ohne Uterus sind reine Östrogentherapien (ET) möglich.

Als ernsthafte unerwünschte Ereignisse wurden laut Leitlinie in den HRT-Gruppen Thrombosen und Brustkrebs beobachtet. Bezüglich des von vielen Frauen mit Skepsis betrachteten Risikos für Brustkrebs heißt es dazu: “Frauen, die eine HRT erwägen, sollten darüber aufgeklärt werden, dass eine HRT zu einer geringen oder keiner Erhöhung des Brustkrebsrisikos führen kann. Die mögliche Risikoerhöhung ist abhängig von der Zusammensetzung der HRT und der Behandlungsdauer und reduziert sich nach dem Absetzen der HRT.”

Gehrke-Beck betonte daher: “Eine HRT sollte durch Gynäkologinnen und Gynäkologen eingeleitet und überwacht werden.” Eine vorherige hausärztliche Beratung sei dennoch sinnvoll.

Wichtig: “Grundsätzlich sollte eine HRT möglichst niedrig dosiert, nur so lange wie nötig und möglichst transdermal durchgeführt werden”, so die Allgemeinmedizinerin.

Für einen Überblick zu den Risiken einer HRT verwies sie auf die Leitlinie (s. Tab.1 unten).

Seit kurzem gibt es mit Neurokinin-3-Rezeptorantagonisten (Fezolinetant und Elinzanetant, letzterer ist erst seit Kurzem zugelassen) einen nicht-hormonellen Therapieansatz, der Hitzewallungen effektiv reduziert. Vergleichsstudien zur HRT gibt es aber noch nicht.

Urogenitale Symptome

“Eine Inkontinenz wird unter einer systemischen HRT häufig erst einmal schlechter”, berichtete die Allgemeinmedizinerin zum Symptomkomplex der urogenitalen Symptome. Stattdessen könne eine vaginale Hormontherapie bei postmenopausalen Frauen die Symptome bessern.

Auch bei Scheidentrockenheit und rezidivierenden HWI lindere eine systemische HRT nicht die Symptome, bei rezidivierenden HWI helfe aber eine vaginale Hormontherapie.

Frauen mit symptomatischer vaginaler Trockenheit sollen laut Leitlinie “darüber informiert werden, dass Befeuchtungs- oder Gleitgele allein oder zusammen mit einer vaginalen Östrogenanwendung eingesetzt werden können. Wenn Östrogene vaginal angewendet werden, sind Estriol-haltige Präparate zu bevorzugen. Bei der vaginal-topischen Anwendung von Östradiol werden mit der Creme pro Gramm 0,1mg zugeführt, die zu relevanten systemisch wirksamen Östradiolspiegeln führen könnten.” Diese hohen Dosierungen seien zu vermeiden.”

Prämature Ovarialinsuffizienz

Eine prämature Ovarialinsuffizienz (POI, siehe Kasten) ist ein Verlust der Ovarfunktion vor dem 40. Lebensjahr. “Betroffen sind etwa ein Prozent aller Frauen”, berichtete Gehrke-Beck. Die Diagnose POI erfordert laut Leitlinie das Vorliegen menopausaler Symptome einschließlich Zyklusstörungen. Kein Hormontest oder Kombinationen verschiedener Tests könne eine POI bestätigen oder ausschließen.

“Meist werden erhöhte FSH-Spiegel >30 mIU/ml bei zweimaliger Bestimmung im Abstand von 4–6 Wochen zur Diagnose herangezogen. Die Diagnose soll nicht auf einer Einzelbestimmung basieren”, heißt es in der Leitlinie. Bei einer POI werde eine Hormontherapie auch ohne Beschwerden empfohlen, so Gehrke-Beck, statt Hormontherapie sei auch ein orales Kontrazeptivum möglich.

Fazit

Insgesamt gebe es nicht das eine, neue Wundermittel bei Wechseljahresbeschwerden, jedoch ein neues Bewusstsein für die Symptome, die weniger tabuisiert seien, resümierte Gehrcke-Beck. “Und damit gibt es auch mehr Beratungsbedarf und mehr Bedarf an hausärztlicher Begleitung.”

Quelle: Update-Kurs „Neue Ära der Menopausenbehandlung“, Dr. Sabine Gehrke-Beck, BAM-Kongress 2025

Literatur:

  1. S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause“ www.hausarzt.link/Nzwoh
  2. Gesundheitsinformation.de
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