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Editorial 06/2026Aktivrente: Gut gedacht, ungleich gemacht

Der Fachkräftemangel setzt Hausarztpraxen zu – mit steigender Tendenz. Das zeigt ein Blick auf die Altersstruktur der Medizinischen Fachangestellten (MFA) (Abb. 1).

Jede achte ist heute schon über 60 [1]. Dabei gewinnt ein gut qualifiziertes Praxisteam gerade vor dem Hintergrund des geplanten Primärarztsystems an Bedeutung, wie jüngst eine Bertelsmann-Studie gezeigt hat [2].

Ein als “Aktivrente” getaufter Steuerbonus soll helfen: Seit 1. Januar dürfen Beschäftigte im Rentenalter 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen (s. Artikel: “ Weiterarbeit im Ruhestand: Viele Optionen sind möglich“). Für Hausärztinnen und Hausärzte ist das in zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen könnte die Steuerbefreiung Praxisteams helfen, erfahrene Mitarbeiterinnen noch etwas länger zu halten.

Das mittlere Gehalt von MFA liegt bei 3.129 Euro [3], die Renten fallen entsprechend oft niedrig aus – verstärkt durch eine Teilzeitquote von 49 Prozent [4]. Ein Hinzuverdienst war zwar auch bisher möglich, wurde jedoch regulär besteuert. Mit Blick auf den eigenen Ruhestand hingegen gibt es für Ärztinnen und Ärzte einen Knackpunkt: Die Aktivrente kann nur in einer Anstellung bezogen werden, nicht aber in eigener Niederlassung.

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband kritisiert die deutliche Ungleichbehandlung (s. Artikel: “Weiterarbeit im Ruhestand: Viele Optionen sind möglich“), ebenso das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Sozialverband VdK und andere. Der Bund der Steuerzahler sieht gar einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz und hat eine Klage angekündigt [5].

In gleich zwei Punkten ist die – für den Staat teure [6], [7] – Aktivrente fragwürdig: Neben dem Ausschluss der Selbstständigen fehlt eine nötige Entlastung für die nachkommende mittlere Generation, die im Beruf auf Hochtouren läuft, Familien versorgt, Steuern zahlt, die Rentenkasse füllt.

Die Aktivrente ist also beileibe kein Wundermittel. Strukturelle Probleme bleiben bestehen: Beispielsweise übernehmen Frauen noch immer deutlich häufiger Care-Arbeit und arbeiten hierfür öfter in Teilzeit, was sich direkt auf ihre – oft deutlich geringere – Rente auswirkt.

Und doch: Für einzelne Praxisteams kann die Aktivrente kurzfristig ein pragmatischer Baustein sein, um Wissen zu halten und einen selbstbestimmten, sanften Übergang in den Ruhestand zu schaffen – auch durch eine Änderung der eigenen Praxisform (s. Artikel: “Als Teamplayer in den Ruhestand“).

Den Fachkräftemangel wird die Aktivrente nicht lösen. Im besten Fall verschafft sie einzelnen Hausarztpraxen aber etwas Zeit für den Generationenwechsel, meint

Ihre

Jana Sauer

Stellv. Chefredakteurin “Hausärztliche Praxis”


Quellen:

  1. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Tabellenband, zuletzt aufgerufen am 17.3.2026
  2. Sauer, J.: „Studie belegt Potenzial von Teamarbeit“, Hausärztliche Praxis 5/26, zuletzt aufgerufen am 17.3.2026
  3. Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, zuletzt aufgerufen am 17.3.2026
  4. VMF, Zahlen und Fakten, zuletzt aufgerufen am 17.3.2026
  5. Pimpertz, J. / Stettes, O.: „Aktivrente: Enorme Kosten bei zweifelhaftem Nutzen“, zuletzt aufgerufen am 17.3.2026
  6. Groll, T. „Ein Rentengeschenk, das niemand braucht“, ZEIT online, zuletzt aufgerufen am 17.3.2026
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