Künstliche Intelligenz (KI) kann Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen, aber hat Potenzial sie zu entlasten. Und dies sei auch nötig, da bis 2050 bundesweit 30- bis 50.000 Ärzte fehlen werden. Darin waren sich die Diskutanten zum Thema “Innovative Praxis – KI in der hausärztlichen Versorgung (?)” beim Hausärztinnen- und Hausärztetag Baden-Württemberg Mitte März in Stuttgart einig.
Sowohl Hausärzte- wie Kassenseite sahen den Abbau von Bürokratie oder die unterstützende Analyse von medizinischen Daten als einen Weg, um mehr ärztliche Arbeitszeit für komplexe Fälle zu schaffen, die eine persönliche menschliche Ansprache erfordern.
Der Idee von TK-Vize Thomas Ballast für einen Symptomchecker auf Kassenseite erteilte Landesverbandsvorsitzende und Hausärztin Dr. Susanne Bublitz aber eine Abfuhr. Dieser funktioniere nur “in Verbindung mit der Hausarztpraxis”. Die individuellen Daten des Patienten erhöhten die Treffsicherheit des Checkers und somit die Glaubwürdigkeit für Patienten.
E-Health-Experte Mark Langguth betonte, Deutschland müsse zuerst die Infrastruktur ändern, um KI besser zu nutzen. “Bisher dokumentiert jeder für sich. Eigentlich braucht es ein System, in das jeder – nach normierten Vorgaben der Fachgesellschaften – reinschreibt. Damit wäre eine Triage in sehr guter Qualität auf Basis der Daten des Einzelnen möglich.” Als Vorbild, auch für den Datenschutz, verwies er auf Dänemark, Schweden und Estland.
Beim anschließenden Start-up-Pitch stellten sich fünf Gründer vor. Die Hausärztinnen und Hausärzte wählten die Gesundheitshelferin Adele für Pflegebedürftige zum Sieger. Diese Art Smartwatch von Dr. Lutz Frick integriert etwa einen mobilen Notruf, einen Alarm bei Verlassen eines festgelegten Bereichs oder kognitive Hilfe durch sprachbasierte Erfassung von Vitaldaten.