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Grippe-ImpfungenHausärzte kritisieren Regress-Risiko bei Impfungen

Weil sie Grippeimpfstoffe im vorherrschenden starren Bestellsystem lange im Voraus bestellen müssen, können Hausärztinnen und Hausärzte oft nicht schnell genug auf eine höhere Nachfrage reagieren. Die Situation sei in dieser Saison "schlimmer denn je", bilanziert nun der Hausärztinnen- und Hausärzteverband. Die einzige Lösung: ein Ende der Impf-Regresse.

Praxen müssen, auch wegen langfristigerer Produktion, ihren Bedarf an Grippe-Impfstoffen ein Dreivierteljahr im Voraus bestellen.

Vor dem Hintergrund der regionalen Engpässe bei Grippeimpfstoffen in diesem Winter, von denen zahlreiche Praxen betroffen waren oder sind, kritisiert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband das starre Bestellsystem bei Grippeimpfstoffen. Denn: Das bestehende Regress-Risiko führe dazu, dass Impfstoffe eher zurückhaltend bestellt werden und bei erhöhter Impfnachfrage fehlen.

„Dieser Winter hat eindrücklich gezeigt, wie stark das Regressrisiko die Impfkampagne behindert”, bilanziert der Verband daher am Dienstag (21. Januar). “Wer die Impfquote steigern will, muss unseren Praxen ermöglichen, eine höhere Impfnachfrage bedienen zu können und voranzutreiben – dafür müssen die Impfregresse unbedingt abgeschafft werden.“

In der Tat bedeutet die Impfstoffbestellung und -planung im Praxisalltag oft eine große Herausforderung: Ärztinnen und Ärzte müssen, auch aufgrund der langen Produktionsdauer, den Bedarf an Grippeimpfstoffen in ihren Praxen bereits ein Dreivierteljahr im Vorhinein festlegen und entsprechend bestellen – zu einem Zeitpunkt, zu dem die Nachfrage, etwa befeuert durch entsprechende mediale Kampagnen, noch überhaupt nicht absehbar ist. Nicht verimpfte Impfdosen führen zu finanziellen Einbußen, fehlende Impfdosen bedeuten eine Lücke im Impfangebot – denn eine Nachbestellung im Verlauf der Impfsaison ist aufgrund der Produktionsdauer nicht möglich.

“Regressangst als Damoklesschwert”

„Die Regressangst hängt seit Jahren wie ein Damoklesschwert über der Impfkampagne”, kritisieren Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. “Das muss sich dringend ändern. Kein Arzt sollte Regresse fürchten müssen, weil er versucht, ausreichend Impfstoff für seine Patientinnen und Patienten vorzuhalten.“

Angesichts der frühen Grippewelle sowie dem neuen Virenstamm, „Subklade K“, über die medial sehr breit berichtet wurde, stieg die Patientennachfrage nach Impfungen in dieser Saison in vielen Praxen vergleichsweise früher und stärker an, beobachtet der Verband. Entsprechend berichteten zahlreiche Hausärztinnen und Hausärzte, dass bereits Mitte Dezember in einigen Regionen Deutschlands bestimmte Grippeimpfstoffe fehlten. “Viele Hausarztpraxen organisierten sich in Netzwerken, um für ihre Patientinnen und Patienten noch Praxen mit Restbeständen zu finden – mit schwindendem Erfolg.”

An falschen Stellschrauben gedreht

Die Politik hingegen habe bislang an den falschen Stellschrauben gedreht, kritisiert Dr. Wolfgang Ritter, Vorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes und Vorstandsmitglied im Hausärztinnen- und Hausärzteverband. “Statt die Praxen zu befähigen, die Impfkampagne mutig voranzutreiben, wurde etwa die Verpflichtung zum Abschluss von Rabattverträgen aufgehoben. Das hat allerdings nicht dazu geführt, dass die Industrie wesentlich mehr Impfstoff zur Verfügung stellt. Für unsere Praxen und unsere Patientinnen und Patienten hat sich dadurch also rein gar nichts verbessert – in diesem Jahr war die Situation vielerorts sogar schlimmer denn je.”

Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät unter anderem Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinischem Personal zur Impfung gegen Grippe.

red

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