München. Nach den außergewöhnlichen Hitzewellen der vergangenen Wochen fordern mehr als 80 europäische Organisationen aus Gesundheitswesen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft einen grundlegenden Kurswechsel beim Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze.
Mit der veröffentlichten “European Declaration on Heat and Health” appellieren sie an die Europäische Union, Gesundheit zum zentralen Bestandteil des geplanten europäischen Klimaresilienz-Rahmenwerks zu machen.
Zu den Unterstützern gehört auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband sowie die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK).
2024 63.000 hitzebedingte Todesfälle in Europa
Hintergrund sind die zunehmenden gesundheitlichen Folgen extremer Hitze. Nach Angaben der Initiatoren wurden während der Hitzewellen im Juni und Juli 2026 allein in den Spitzenzeiten mehrere Tausend hitzebedingte Übersterblichkeitsfälle registriert.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Erkrankte, Schwangere, Säuglinge sowie Menschen mit ungünstigen Wohn- oder Arbeitsbedingungen. [habox:1] Die Erklärung verweist zudem auf den Europa-Bericht 2026 des Lancet Countdown on Health and Climate Change. Demnach sei die hitzebedingte Sterblichkeit in 99,6 Prozent der untersuchten europäischen Regionen gestiegen. Bereits im Jahr 2024 seien europaweit rund 63.000 hitzebedingte Todesfälle verzeichnet.
Konsequentes Umsteuern nötig
Vor diesem Hintergrund fordern die Unterzeichner unter anderem einen europäischen Hitzeschutzplan, verbindliche Vorgaben zum Schutz von Beschäftigten bei hohen Temperaturen, sichere Innentemperaturen für besonders gefährdete Menschen sowie eine stärkere Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte in der europäischen Klimapolitik.
Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an einem neuen European Climate Resilience Framework, das Ende 2026 verabschiedet werden soll.
BLÄK-Präsident Dr. Gerald Quitterer betont, dass die steigende Zahl hitzebedingter Erkrankungen und Todesfälle ein konsequentes Umsteuern erfordere. Verbindliche Hitzeschutzmaßnahmen, klare Zuständigkeiten und deren konsequente Umsetzung seien aus seiner Sicht gesundheitspolitisch unverzichtbar.
Auch Gesundheitseinrichtungen in der Pflicht
Die Europäische Erklärung nimmt zugleich den Gesundheitssektor selbst in die Pflicht.
Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und auch Arztpraxen sollen ihre Einrichtungen klimaresilient weiterentwickeln, Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende besser vor Hitze schützen und Hitzeschutz stärker in den Versorgungsalltag integrieren.
Konkrete Vorschläge reichen von einrichtungsspezifischen Hitzeplänen bis zur gezielten Ansprache besonders gefährdeter Patientengruppen. red
Die komplette Erklärung finden Sie unter: Europäische Erklärung
