Die Vorsorgeuntersuchung U6 ist im 10 – 12. Lebensmonat (Toleranzbereich 9. – 14. Lebensmonat) vorgesehen. Zu Beginn der Vorsorge erfolgt die Anamnese. Diese kann mit der Frage eingeleitet werden, ob die Eltern mit der Entwicklung des Kindes zufrieden sind. Hilfreich kann dabei der Fragenkatalog im “gelben Heft” sein, an dem sich die Eltern vor der Vorsorge orientieren können, um dann etwaige Fragen stellen zu können.
Eine exzellente Hilfe ist dabei der Fragebogen des Sonderheftes, der unter www.medizinundmedien.eu/kinderheft herunter geladen werden kann.
Jede Kinder- und Jugendvorsorgeuntersuchung beinhaltet eine gründliche Ganzkörperuntersuchung sowie die Erhebung der Körpermaße mit Eintragen in das Somatogramm (Gewicht, Größe, Body-Mass-Index sowie bis zur U7 auch Kopfumfang). Die für die jeweiligen Kindervorsorgeuntersuchungen benötigte apparative Ausstattung wurde bereits im Beitrag zur U2 und U3 dargestellt. Zusätzlich benötigen wir bei der U6 zur Beurteilung der Grob- und Feinmotorik einen leichten Ball, ein Steckpuzzle und Bauklötze.
Wichtig ist die Frage nach schwerwiegenden Erkrankungen, Operationen, Krampfanfällen und ungewöhnlich schweren Infektionen. Des Weiteren sollte das Essverhalten und Stuhlverhalten erfragt werden.
Das Hörvermögen sollte mit der Frage beurteilt werden, ob das Kind auf laute und leise Schallreize reagiert. In diesem Alter beginnt bei vielen Familien eine Umstellung der Betreuung, Mütter und Väter starten nach ihrem Erziehungsjahr wieder mit dem Arbeiten und Kinder werden entweder bei Familienangehörigen oder in einer Kindertagesstätte fremdbetreut. Dies kann in einzelnen Familien Unruhe bei Kind und Eltern hervorrufen.
Impfstatus checken
Bei der U6 sollten folgende Impfungen nach den STIKO-Empfehlungen erfolgen: Die Sechsfachimpfung (Tetanus, Diphtherie, Polio, Pertussis, Hepatitis B, HiB), die Pneumokokkenimpfung sowie die Meningokokken-B-Impfung zweimal. Eine nicht oder nur einmal durchgeführte Rotavirusimpfung wird nicht nachgeimpft.
Bei der U6 bietet sich die Möglichkeit, die MMRV-Impfung zu beginnen oder aber die Grundimmunisierung der Sechsfach- und Pneumokokkenimpfung abzuschließen. Da die Impfung gegen Masern für alle öffentlichen Einrichtungen vorgeschrieben ist, empfiehlt es sich bei den “Kita-Kindern” diese Impfung vor der dritten Sechsfach-/Pneumokokkenimpfung durchzuführen.
Bei der Beurteilung der Entwicklung werden prinzipiell bei jeder Vorsorgeuntersuchung vier Teilbereiche betrachtet. Die Fein- und Grobmotorik, die Perzeption/Kognition, die soziale/emotionale Kompetenz und die Sprache. Bei der U6 sollte das Kind frei sitzen können; des Weiteren sich am Stuhl oder Sofa hochziehen, einige gehen schon im Seitschritt an Möbel entlang, wenige beherrschen in dieser Phase schon das freie Laufen.
Sie haben Freude mit dem Ball zu spielen. Der Pinzettengriff wird meistens beherrscht (Steckpuzzle) und das Kind hat Freude, zwei Würfel aneinander zu klopfen und einen “Bauklötze Turm” umzuwerfen (destruktive Phase). Dabei kann man als Untersucher herrlich mit dem Kind interagieren und Spaß haben.
Nach Aufforderung gibt das Kind seinen Eltern einen Bauklotz zurück oder wirft es in die Tonne. In dieser Altersphase können einige schon mit und ohne Hilfe aus der Tasse trinken, die meisten können allein die Trinkflasche halten. Sprachlich produziert das Kind Doppelsilben, ahmt Laute nach und sagt manchmal schon gezielt “Ma-ma” “und “Pa-pa”.
In dieser Entwicklungsphase gibt es einige Kinder, die Fremdeln. Ist dies der Fall, kann es sinnvoll sein, die Untersuchung abzubrechen und einen zeitnahen, neuen Termin zu vereinbaren.
Bei Auffälligkeiten in der Entwicklung ist es ratsam, einen Kontrolltermin zu vereinbaren, um Entwicklungsstörungen zu detektieren oder zu entkräften. Erhärtet sich der Verdacht einer Entwicklungsstörung, sollte der Kontakt zu einem Neuropädiater oder einem SPZ erfolgen, um eine spezialisierte Diagnostik durchführen zu lassen.
Die körperliche Untersuchung erfolgt am vollständig entkleideten Kind. Initial benötigen wir die Körpermaße (Größe, Gewicht, Kopfumfang), die wir in den Perzentilen eintragen, um ein regelmäßiges, verlangsamtes oder beschleunigtes Wachstum zu beurteilen.
Weitere Beurteilung
Zur weiteren Beurteilung gehören die Untersuchung der Haut (Blässe, Verletzungshinweise sowie entzündliche Hautveränderungen), die Auskultation von Herz und Lunge, Messen von Herz- und Atemfrequenz sowie die Palpation des Abdomens.
Am Bewegungsapparat sollen Asymmetrien ausgeschlossen, der Muskeltonus beurteilt sowie die Beweglichkeit der großen Gelenke beurteilt werden. Dysmorphien und Fehlhaltungen des Kopfes sollen festgestellt und der Fontanellentonus beurteilt werden. Die Fontanelle kann bereits verschlossen, aber auch noch offen sein.
Ein Hodenhochstand sollte ausgeschlossen werden. Erneut ist der Brücknertest (ausführlich dargestellt im Beitrag zur U4 in Ausgabe 20/24) ein Untersuchungsinhalt, ebenso wie die orientierende Beurteilung des Hörvermögens sowie die Untersuchung des Mund-Rachenraums. Die Vorstellung beim Zahnarzt sollte spätestens bei der U6 empfohlen werden.
Nach Abschluss der Untersuchung und Feststellung etwaiger Gesundheitsstörungen erfolgt eine ausführliche Beratung der Eltern bzw. der Bezugspersonen. Beratungen zu altersgerechter Ernährung (unter www.hausarzt.link/mxuuA), zur Rachitis- und Kariesprophylaxe (Vitamin D/Fluor (400-500IE / 0,25mg) oral bis zum zweiten erlebten Frühsommer, ab dem 12. Lebensmonat 2 x tgl. fluoridhaltige Zahnpasta reiskorngroß) und zur Unfallverhütung sowie plötzlichem Kindstod sollten ebenso erfolgen wie das Erörtern und Terminieren der vorgeschriebenen und empfohlenen Impfungen.
Besonders wichtig ist die Beratung zur Sprachentwicklung und Sprachförderung. Die Eltern sollten dazu ermuntert werden, täglich mit den Kindern Bücher anzuschauen und vorzulesen. Im Bedarfsfall sollten Informationen zu unterstützenden Angeboten bei komplizierten Familienstrukturen gegeben werden.
Beratungsinhalte anlässlich der U6
- Rachitis/Kariesprophylaxe
- Mundhygiene/zahnschonende Ernährung
- Verweis zum Zahnarzt
- Impfstatus bzw. nachzuholende Impfungen
- Unfallverhütung
- UV-Schutz
- Sprachentwicklung/Sprachförderung
- Ggf. Information zu Unterstützungsangeboten
Die Autorin hat keine Interessenkonflikte deklariert.