Die Leitlinie zur medikamentösen Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas wurde aufgrund einer veränderten Evidenzlage vorzeitig aktualisiert. Das berichten die beiden federführenden Gesellschaften, die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG). Bei den zwei neuen Empfehlungen handelt es sich um eine Kann- und eine Sollte-Empfehlung:
- Bei Adipositas kann eine medikamentöse Therapie ab dem zugelassenen Mindestalter als Ergänzung einer leitliniengerechten Lebensstilintervention in Betracht gezogen werden.
- Bei Kindern und Jugendlichen mit extremer Adipositas (> 99,5. Perzentil) und anhaltender Gewichtszunahme sollte die medikamentöse Therapie in spezialisierten Zentren unter klar definierten Kriterien erwogen werden.
“Studien zeigen klinisch relevante Effekte einer Therapie mit GLP- 1-RA bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas. Gleichzeitig liegen Zulassungen für das Jugendalter vor. Vor diesem Hintergrund war ein Abwarten fachlich nicht vertretbar”, wird Leitlinienkoordinator Prof. Martin Wabitsch in der Mitteilung zitiert. Die reguläre Gesamtüberarbeitung der Leitlinie ist für Januar 2027 vorgesehen.
Derzeit sind in der EU Liraglutid und Semaglutid zur Therapie bei Kindern mit Adipositas zugelassen, Semaglutid nach einer Zulassungserweiterung ab 6 Jahren, Liraglutid ab 12 Jahren. DGKJ und DAG kritisieren, dass trotz vorliegender Evidenz die Kostenübernahme derzeit häufig unter Verweis auf § 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V (“Lifestyle-Paragraf”) abgelehnt werde.
“Die aktuelle Evidenzlage zeigt deutlich, dass es sich nicht um eine Lifestyle-Intervention handelt, sondern um die Behandlung einer chronischen Erkrankung”, betont Dr. Stephanie Brandt-Heunemann, Leiterin der Methodengruppe.
