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ÜbergewichtGewichtsabnahme: Was hilft und wie sollte man vorgehen?

Über die Hälfte der Bevölkerung ist von Übergewicht oder Adipositas betroffen. Um das Gewicht zu senken oder wenigstens zu halten, ist eine Lebensstilintervention zu empfehlen. Doch was bringt wirklich Erfolg?

In Deutschland sind über die Hälfte der Männer und Frauen übergewichtig (BMI ≥25 kg/m²) und rund ein Viertel adipös (BMI ≥30 kg/m²) [1]. Immer mehr Menschen leiden zudem unter extremer Adipositas (BMI >40 kg/m²). Verschärft wurde die Situation durch die Corona-Pandemie: „Wie eine repräsentative Umfrage ergab, haben 40 Prozent der erwachsenen Befragten während der Pandemie etwa 5,5 kg zugenommen“, berichtete Prof. Christina Holzapfel, Fulda.

Eine medizinische Indikation für eine Gewichtsreduktion besteht bei einem BMI ≥30 kg/m² oder ab einem BMI von 25 kg/m², wenn zusätzlich Übergewichts-bedingte Krankheiten (z.B. Typ 2 Diabetes, Hypertonie) vorliegen, eine abdominale Adipositas besteht oder andere Krankheiten durch das Übergewicht verschlimmert werden. Ein weiterer Grund ist der hohe psychosoziale Leidensdruck, der laut Holzapfel immer vorliegt [2].

Gewichtsmanagement – aber wie?

„Wenn sich die Betroffenen nicht mit ihrem Körpergewicht befassen oder sich nicht in Therapie begeben, kann man davon ausgehen, dass ihr Gewicht weiter zunimmt“, erklärte die Ernährungswissenschaftlerin. Ein erstes Ziel besteht folglich darin, zunächst eine weitere Gewichtszunahme zu verhindern und anschließend das Körpergewicht moderat – zunächst um 5 bis 10 Prozent – zu senken.

Als erste Maßnahme bei Adipositas gilt die multimodale Basistherapie, eine Lebensstilintervention, die Ernährung, Bewegung und Verhalten umfasst. Dafür gibt es unterschiedliche Ansätze: Beispielsweise Low carb, low fat, Intervallfasten oder multidisziplinäre Gewichtsreduktionsprogramme wie Weight Watchers sowie eine Unterstützung etwa durch Ernährungsfachkräfte, digitale Tools oder Tracker [3].

„Die Basistherapie gilt immer und lässt sich kombinieren mit einer Formuladiät, Medikamenten oder der Adipositaschirurgie“, so Holzapfel.

Viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch

Als Grundlage für eine Gewichtsreduktion gilt eine negative Energiebilanz, wobei die Leitlinie ein Energiedefizit von etwa 500 kcal pro Tag empfiehlt [2]. Um dies zu erreichen, können unter ärztlicher Aufsicht für eine gewisse Zeit Formulaprodukte eingesetzt werden, die eine Energiezufuhr von 800-1200 kcal pro Tag gewährleisten. Insgesamt spielt es laut Holzapfel keine Rolle, ob die Kalorienreduktion mittels „low carb“ oder „low fat“ oder einer Kombination aus beidem erfolgt.

Diese Erkenntnis beruht auf einer Studie, die vier verschiedene Kostformen mit unterschiedlichen Zusammensetzungen an Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten verglich [4]. Nach zwei Jahren war kein Unterschied zwischen den Ernährungsformen zu erkennen, die Gewichtsabnahme war mit jeweils rund 4 kg moderat. Bei der Frage, zu welcher Ernährung man Adipösen raten soll, kann man sich an den elf Empfehlungen orientieren, welche die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im März 2024 publizierte [5].

„Es geht um eine ausgewogene Mischkost; im Vergleich zu früher werden allerdings viel weniger Fleisch und weniger Milchprodukte empfohlen“, fasste Holzapfel zusammen.

Nicht weniger, sondern anders essen

Ein weiterer Ansatz ist die Senkung der Energiedichte, also „nicht weniger, sondern anders essen“. Dieses einfach anzuwendende Prinzip beruht darauf, dass das Sättigungsgefühl u.a. durch Magendehnungsreize entsteht. Wird das für die Sättigung erforderliche Essensvolumen durch energieärmere Lebensmittel ersetzt, lassen sich Kalorien einsparen.

Das Intervallfasten ist seit einiger Zeit sehr beliebt. Entscheidend ist aber auch hier, ein Energiedefizit zu erreichen. „Werden weiterhin genauso viele Kalorien aufgenommen wie ohne Intervallfasten, wird sich das Körpergewicht nicht verringern“, so Holzapfel. Insgesamt übt das Intervallfasten einen ähnlichen Effekt auf die Gewichtsreduktion aus wie andere energiereduzierte Kostformen. Laut einem Cochrane Review besteht keine ausreichende Evidenz, dass das Intervallfasten Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt [6].

Gewichtssenkende Medikamente

Der Lipaseinhibitor Orlistat ist in höherer Konzentration verschreibungspflichtig, wird jedoch nicht mehr häufig eingesetzt. „Im Vergleich zu Placebo verringert Orlistat in Studien das Körpergewicht um rund drei Kilogramm“, berichtete Holzapfel. Eine deutlich bessere Wirkung lässt sich mit neueren Medikamenten wie GLP-1 Mimetika (Exenatid, Liraglutid) erzielen. Sie sind nur als Injektion verfügbar und werden nicht erstattet.

Als „game changer“ gilt Semaglutid, das in der Zulassungsstudie mit adipösen Teilnehmenden gegenüber Placebo eine Gewichtsreduktion von ca. 16 kg erreichte [7]. „Das schließt gewissermaßen die Lücke zwischen der multimodalen Basistherapie – bei der rund fünf Kilogramm Gewichtsabnahme möglich sind – und der Adipositaschirurgie, die zwar zu einer noch besseren Gewichtsreduktion führt, aber nicht für alle Menschen geeignet ist“, erklärte Holzapfel.

Seit November 2023 ist auch Tirzepatid zugelassen, eine Kombination aus zwei Inkretinen, das bei Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung zusätzlich zur multimodalen Basistherapie verordnet werden kann. In einer Studie nahmen die Menschen unter der höchsten Dosis Tirzepatid im Verlauf von 72 Wochen über 20 kg ab [8].

Die neueren GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid sind bislang nur für Menschen mit Diabetes zugelassen. Die S3-Leitlinie empfiehlt daher den Einsatz bei dieser Patientengruppe, sofern Gewichtsreduktion das Ziel ist. Die Behandlung brechen einige Menschen jedoch aufgrund starker gastrointestinaler Beschwerden ab. Zudem besteht ein Risiko für Pankreatitis oder Krebs der Bauchspeicheldrüse. In Studien nahmen die Teilnehmenden nach Absetzen der Therapie häufig wieder zu.

Darüber hinaus können laut Leitlinie bei adipösen Diabetikern mit Herz- oder Nierenerkrankung SGLT2-Hemmer (wie Empa- oder Dapagliflozin) eingesetzt werden. [2]

Literatur:

  1. Gößwald A et al. Bundesgesundheitsbl. 2012; 55:775-780
  2. S3-Leitlinie – Prävention und Therapie der Adipositas. Otober 2024. Deutsche Adipositas-Gesellschaft
  3. Wiechert M, Holzapfel C. Nutrients 2022; 14(1):169
  4. Sacks FM et al. NEJM 2009; 360:859-73
  5. DGE-Empfehlungen: https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-empfehlungen zuletzt aufgerufen: 20.08.2024
  6. Allaf M et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, Issue1 Art:CD013496
  7. Wilding JPH et al. NEJM 2021; 384(11):989-1002
  8. Jastreboff AM et al. 2022 NEJM 2022; 387(3):205-216

Quelle: 24. Interdisziplinärer Kongress für Suchtmedizin, in München. Innovationssymposium II: „Behandlungsoptionen der Adipositas“, Prof. Christina Holzapfel

 

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