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KongressberichtDer Diabetes kennt keine Organgrenzen

Menschen mit Diabetes erfordern ein interdisziplinäres Gesundheitsmanagement. Nur so lassen sich diabetesassoziierte Komplikationen verhindern. Zum 15. Mal fand der Kongress "Innere Medizin fachübergreifend – Diabetologie grenzenlos" statt, mit einem Konzept, das diesem Anspruch gerecht wurde.

Regelmäßige körperliche Aktivitäten sollten ein zentraler Bestandteil der Diabetestherapie sein.

“Für die rechtzeitige Erkennung und Behandlung sowohl des Typ-1- als auch des Typ-2-Diabetes wurden in den letzten Jahren zunehmend richtungsweisende neue Optionen entwickelt, wodurch die Lebensqualität der Betroffenen vor allem auch durch die Reduktion diabetesassoziierter Komplikationen verbessert wird und zugleich eine zielgerichtete, alle Risikofaktoren einschließende Behandlung möglich ist”, erläuterte Kongresspräsidentin Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger, München.

Sport ist integraler Bestandteil der Therapie

“Regelmäßige körperliche Aktivitäten sollten ein zentraler Bestandteil der Diabetestherapie sein”, so Dr. Stephan Kress, Landau. Nach den Ergebnissen einer Metaanalyse gilt: Unabhängig von der Dosis ist eine Kombination aus Ausdauertraining und Krafttraining am wirksamsten im Hinblick auf den Nüchternblutzucker.

Der optimale Trainingsumfang liegt bei 880 MET-Minuten/Woche für jeden Übungstyp, beim kombinierten Training sind es 800 MET-Minuten/Woche (z. B. 2 Stunden zügiges Spazierengehen ca. 480 MET-Min + 1 Stunde intensiveres Krafttraining, ca. 400 MET-Min). Beide Trainingsarten erweisen sich als gleichermaßen wirksam bei den kognitiven Verbesserungen.

Über verschiedene Mediatoren bewirkt körperliches Training zahlreiche positive Veränderungen auch im Gehirn wie eine erhöhte Neuroplastizität, eine erhöhte Insulinsensitivität und eine verringerte Entzündungsaktivität. Bei Patienten mit Diabetes und kardiovaskulärer Erkrankung wird die Behandlung mit einem SGLT2-Inhibitor und oder einem GLP-1-RA empfohlen, um das kardiovaskuläre Risiko unabhängig von der Glukosekontrolle und zusätzlich zur Standardtherapie zu reduzieren.

Bei Menschen mit Diabetes und Herzinsuffizienz wird die Behandlung mit einem SGLT2-Inhibitor empfohlen und zwar unabhängig von der Auswurffraktion sowohl bei HFrEF als auch bei HFpEF. Damit können Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Todesfälle verhindert werden. Patienten mit Diabetes und CKD sollten einen SGLT2-Inhibitor erhalten. Bei einer Albuminurie kann zusätzlich oder stattdessen Finerenon eingesetzt werden.

Einsamkeit macht krank

“Einsamkeit schmerzt wie eine tiefe Wunde, sie dominiert das gesamte Lebensgefühl der betroffenen Menschen und hinterlässt bei diesen das Gefühl, niemals mehr aus diesem Loch herauszukommen”, so Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig, München. Einsamkeit habe aber nicht nur eine emotionale Komponente, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf die somatische Gesundheit.

Andauernde Einsamkeit ist mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert, wobei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle im Vordergrund stehen. Einsamkeit ist aber auch ein Treiber für das Entstehen eines Typ-2-Diabetes. Zugleich ist das Risiko für diabetesbedingte Komplikationen erhöht.

Eine wesentliche Ursache dafür ist, dass einsame Patienten bei der Therapie eine schlechtere Ahärenz zeigen. “Deshalb sollte die Integration von psychosozialen Screenings und Interventionen in die klinische Alltagspraxis erfolgen”, so Ladwig.

Insulinresistenz bei T1-Diabetes

Der Typ-1-Diabetes gilt traditionell als Insulinmangel-Diabetes. “Doch nach neueren Untersuchungen dürfte die Insulinresistenz auch bei Typ-1-Diabetikern eine bedeutsame Rolle spielen”, so Privatdozent Dr. Martin Füchtenbusch, München. Sie entwickelt sich bereits früh im Krankheitsverlauf des Typ-1-Diabetes und betrifft verschiedene Organe vor allem Muskulatur, Fettgewebe und Leber.

Die Ursachen sind multifaktoriell: Neben metabolischen Faktoren wie Hyperglykämie und Lipotoxizität spielen auch immunologische Faktoren eine Rolle, die mit der Autoimmunität des Typ-1-Diabetes verknüpft sind. Diese Faktoren wirken synergistisch und verstärken die Insulinresistenz im Verlauf der Erkrankung.

Klinische Folgen der Insulinresistenz sind ein erhöhter Insulinbedarf, eine Verstärkung der glykämischen Variabilität und ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Außerdem steigt das Körpergewicht und es kann sich ein Double Diabetes Phänotyp entwickeln, bei dem die Merkmale eines Typ-2-Diabetes auftreten.

Therapeutisch ergeben sich daraus neue Ansätze. Neben einer Optimierung der Insulintherapie rücken Lifestyle-Interventionen insbesondere das Gewichtsmanagement und medikamentöse Zusatztherapien wie Lipidsenker in den Fokus.

Mittlerweile liegen die Ergebnisse zahlreicher Observationsstudien vor, die zeigen konnten, dass der adjunktive Einsatz von GLP-1-RA auch bei Typ-1-Diabetikern die glykämische Kontrolle und Stabilität verbessern können und auch den Insulinbedarf und das Körpergewicht senken. Dabei ergab sich kein erhöhtes Risiko für Ketoazidosen.

Diabetes geht an die Knochen

“Diabetes und Osteoporose sind beides chronische Stoffwechselerkrankungen, die sich gegenseitig beeinflussen und bedingen”, so Prof. Dr. Walter Fassbender, Zürich. Die wichtigsten Ursachen einer Osteoporose sind altersbedingte Stoffwechselerkrankungen und dazu gehört auch der Typ-2-Diabetes. Bei solchen sekundären Osteoporosen werden häufig erhöhte Calcitonin-Werte gemessen, welche als Marker eines pathologisch gesteigerten Knochenstoffwechsels dienen.

Calcitonin ist aber auch ein stoffwechselaktives Hormon, welches die Sensitivität der Muskulatur und des Fettgewebes erhöht und auch die Insulinausschüttung steigert. Ursachen einer diabetesassoziierten Osteoporose sind Hyperglykämie, Insulinresistenz und die Akkumulation fortgeschrittener Glykationsendpunkte (AGEs) sowie durch chronische, niedriggradige Entzündungen und oxidativen Stress ausgelöste Zellschäden.

Dies führt zu einer veränderten ossären Mikroarchitektur und einer erhöhten Porosität des Knochens, wodurch das Frakturrisiko steigt. “Deshalb sollten in das Diabetesmanagement auch die Verfahren der Osteoporosediagnostik zur Bestimmung des Frakturrisikos implementiert werden”, so Fassbender.

Das komplexe Zusammenwirken beider Erkrankungen erfordert einen multifaktoriellen Therapieansatz. Bei den Antidiabetika konnten für Metformin und GLP-1-RA osteoprotektive Effekte nachgewiesen werden. Für das Bisphosphonat Alendronat konnte gezeigt werden, dass es das Risiko postmenopausaler Frauen einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, reduziert.

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