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KongressberichtGendermedizin: Risikofaktor weiblich

In der Medizin wirkt sich der "kleine Unterschied" groß aus: Denn bei vielen Krankheiten gibt es deutliche Differenzen zwischen Frauen und Männern. In der Praxis, auch der hausärztlichen, werden sie immer noch zu wenig berücksichtigt.

Faktor X-Chromosom: Derzeit haben Frauen in sämtlichen Fachgebieten nach wie vor eine schlechtere Prognose.

Geschlechtsspezifische Unterschiede finden sich in nahezu allen medizinischen Fachbereichen. Sie betreffen neben Symptomen und Risikofaktoren die Prävalenz und, am bedeutsamsten, die optimale Therapie.

Als Patientin immer noch im Hintertreffen

Derzeit haben Frauen in sämtlichen Fachgebieten nach wie vor eine schlechtere Prognose, gibt die bekannte Pionierin der Gendermedizin Prof. Dr. Dr. Vera Regitz-Zagrosek von der Charité in Berlin zu bedenken. Unter anderem erhalten die Patientinnen oftmals keine leitliniengerechte Versorgung und Arzneimittel werden nicht hinreichend angepasst.

Besonders ausgeprägt ist der sogenannte Gender Gap in der Disziplin von Prof. Regitz-Zagrosek, der Kardiologie. Beispielsweise ist die Überlebensrate nach einem Myokardinfarkt bei Frauen weiterhin erheblich geringer [1]. Zudem wiegen bekannte Gefahren wie Nikotin und emotionaler Stress beim weiblichen Herzen schwerer, wie kürzlich eine französische Studie an Herzinfarktpatientinnen mit einem Durchschnittsalter von 43 Jahren ergab [2].

Auch neu erkannte Risikofaktoren wie etwa Depressionen, chronische Nierenerkrankungen, autoimmun-entzündliche Erkrankungen sowie die Folgen einer Tumortherapie sind geschlechtsspezifisch und häufiger bei Frauen, so die Gründungsdirektorin des “Berlin Institute for Gender in Medicine” (GIM).

Doch sogar etablierte Parameter wie Blutfette, Blutdruck und HbA1C-Werte werden bei Frauen seltener und schlechter kontrolliert – selbst bei bekannter Herzerkrankung [3]. “Frauen werden tatsächlich schlechter diagnostiziert”. Herzinsuffizienzen, nur ein Beispiel von vielen, werden entsprechend bei Männern wesentlich schneller erkannt.

Laut Prof. Dr. Regitz-Zagrosek sollte die Hausarztpraxis bei Frauen verstärkt routinemäßig sämtliche Risikofaktoren checken. Bei erhöhten Werten von LDL-C, TGL und Lp(a) ist zeitnahes Handeln erforderlich. “Da Lp(a)-Spiegel Östrogen-bedingt Schwankungen unterliegen, sind wiederholte Messungen angezeigt”.

Eklatante geschlechtssensible Unterschiede bei Arzneimitteln

Dass “das Frauenherz nicht einfach nur ein kleineres Männerherz ist”, so Prof. Dr. Michael Becker, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Leiter des Frauenherz-Zentrums am Rhein-Maas Klinikum Würselen, zeigt sich vor allem auch an der medikamentösen Therapie: “Hier ist der Gender Gap fundamental”.

Frauen sind häufiger von der chronischen Nierenkrankheit, kurz CKD betroffen, obwohl bei ihnen die CKD-Diagnose seltener und später gestellt wird als bei Männern [4]. “Letzteres liegt mit daran, dass Frauen deutlich seltener an die Nephrologie überwiesen werden”, weiß die Nephrologin Prof. Dr. Miriam Banas vom Universitätsklinikum Regensburg.

Zudem werden die wichtigen renalen Parameter Kreatinin, geschätzte glomeruläre Filtrationsrate eGFR und Albuminurie bei Frauen weniger häufig bestimmt. Bei der medikamentösen Therapie gemäß den Leitlinien hapert es ebenfalls: “Frauen bekommen seltener die auch bei CKD wichtigen SGLT2-Inhibitoren verordnet [5]”. In CKD-Studien, so Prof. Banas weiter, sind Frauen jeder Altersgruppe stets unterrepräsentiert [6].

Gravierende Gender Gaps auch bei Typ-2-Diabetes

Auch aus der Diabetologie kommen alarmierende Befunde. Laut Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger, Ärztliche Direk-torin des Zentrums Innere Medizin und Diabetologie Fünf Höfe in München, ist die stärkste Zunahme von Übergewicht, vor allem mit abdominaler Adipositas, seit Jahren bei jüngeren Frauen zu verzeichnen.

“Sie alle haben im Vergleich zu Männern ein erheblich größeres Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken”. Da bei Typ-2-Diabetikerinnen häufiger eine gestörte Glukosetoleranz und verstärkter oxidativer Stress besteht, ist ihr Risiko, eine KHK zu entwickeln vier- bis sechsfach erhöht.

Bei männlichen Typ-2-Diabetikern ist dieses zwei- bis dreifach höher als bei Stoffwechselgesunden. Deutlich im Nachteil sind Frauen auch bei der Prognose: Sie ist fünffach schlechter als bei Männern mit Typ-2-Diabetes. “Das spiegelt sich auch darin wider, so Prof. Schumm-Draeger, “dass die kardiovaskuläre Mortalität bei weiblichen Patienten steigt, während sie bei Männern deutlich abgenommen hat”.

Quelle: Live-Fortbildung “Akte XX/XY – Genderaspekte in der Inneren Medizin” am 7.11.2024.

Literatur:

  1. Kaplan-Meier estimate for overall survival after first STEMI, stratified by sex and age. Dtsch Ärztebl Int 2022; 119: 285 – 292.
  2. Characteristics of young women presenting with acute myocardial infarction. J Am Heart Assoc. 2024; 13 (19): e034456.
  3. Yael Rachamin, Vera Regitz-Zagrosek Primary and hospital care. Allgemeine Innere Medizin 2022; 22 (7): 208 – 210.
  4. Swartling O. et al. Sex differences in the recognition, monitoring and management of CKD in healthcare. JASN 2022; 33: 1903 – 1914.
  5. Ozaki A. F. et al. CMAJ Open 2023
  6. Pinho-Gomes A. C. et al. Clinical Kidney Journal 2023; 16 (9): 1457 – 1464.
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