Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bezieht in puncto Getränke klare Positionen: Leitungswasser eigne sich ebenso wie Mineral- Tafel- oder Heilwasser zum Durstlöschen. Empfehlenswert seien zudem ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sowie Fruchtsaftschorlen, die 1:3 mit Wasser gemischt werden [1].
Nicht empfehlenswert seien hingegen “Fruchtnektare und Fruchtsaftgetränke genauso wie zuckerhaltige und koffeinhaltige Erfrischungsgetränke, die mit Zucker oder Süßstoff gesüßt sind”. Kaffee, schwarzer und grüner Tee sollten aufgrund ihres Koffeingehalts nur in moderaten Mengen genossen werden.
Sehr restriktiv ist die DGE inzwischen bei alkoholischen Getränken – da es keine risikofreie Menge gebe, rät sie von deren Genuss generell ab [1]. “Es gibt wohl kaum etwas Gesünderes als Wasser zu trinken”, bestätigte Prof. Mathias Fasshauer, Gießen. Bei den übrigen Empfehlungen lohne sich ein Blick auf die aktuelle Datenlage.
Ist moderater Weingenuss gesundheitsfördernd?
In der UK Biobank wurden über 500.000 Menschen zu ihrem Alkohol- Kaffee- und Teekonsum befragt, über 200.000 Teilnehmende machten zudem Angaben zu gesüßten Getränken. “Diese Daten dienen als Grundlage für unsere Analysen. Da wir fortlaufend Endpunkte wie Tod, Demenz, Depression oder kardiovaskuläre Erkrankungen erhalten, können wir Assoziationen mit dem Trinkverhalten untersuchen”, erklärte Fasshauer.
Seine Datenanalysen ergaben, dass rein statistisch betrachtet, der Genuss von 20 g Alkohol täglich mit einem geringeren Mortalitätsrisiko assoziiert ist [2]. Wie der Ernährungswissenschaftler betonte, spielt jedoch die Art des Alkohols eine entscheidende Rolle. So ist maßvolles Weintrinken (20 g) mit einem Überlebensvorteil assoziiert, wogegen die ideale Dosis für keinen Wein deutlich geringer und der Vorteil überhaupt keinen Alkohol zu trinken, deutlich höher liegt.
Bei kranken Menschen war der Vorteil von Wein ebenfalls kleiner und für nicht-Wein nicht vorhanden [2]. “Weingenuss scheint auch günstig für die Prävention einer Demenz, nicht-Wein hingegen erhöht das Risiko dosisabhängig”, berichtete der Experte.
Aufgrund dieser Daten hält Fasshauer die Empfehlungen der DGE – von alkoholischenGetränke generell abzuraten – für zu strikt und nicht realitätsbezogen. Wie weitere Untersuchungen zeigten, erwies sich der Konsum von Kaffee als neutral hinsichtlich des Mortalitäts- und Demenzrisikos. Dagegen verringerten vier bzw. sechs tägliche Tassen Tee das Risiko von Mortalität bzw. Demenz [2].
Softdrinks aufgrund des hohen Zuckergehalts meiden
Die Vorbehalte der DGE gegenüber zuckerhaltigen Getränken wurden durch die Analysen bestätigt [3]: “Softdrinks sind linear assoziiert mit vorzeitigem Versterben, Depression, Demenz und kardiovaskulären Erkrankungen”, berichtete Fasshauer. Die Ursache für dieses schlechte Abschneiden liegt an der Kombination von drei “Dickmacherzutaten”: Aromen, Süßungsmitteln und freien Zuckern [4]. Diese fördern unter anderem das hedonische Essen und verändern das Darm-Mikrobiom, was in Überessen und Übergewicht mit den bekannten Folgen resultiert.
Tipp: Das Programm Neatic (natural eating with three ingredients checked) kann übergewichtigen/adipösen Menschen helfen, den Blick auf die drei adipogenen Zutaten zu schärfen und so ihre Ernährung zu verbessern. Das Programm sowie weitere Informationen sind im Internet zu finden unter: www.neatic.de
Stigmatisierung bei Adipositas muss aufhören
Die Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas umfasst die Zuschreibung negativer Eigenschaften wie faul, unförmig, langsam, untätig und schwach. In einer Untersuchung würden 16 Prozent der Befragten diese Person nicht für eine Stelle empfehlen, 13 Prozent wären dagegen, dass sie in die Familie einheiratet [5].
“Insbesondere Menschen mit Adipositas Grad III werden häufig aufgrund ihres Gewichts diskriminiert”, berichtete Prof. Claudia Luck-Sikorski, Heidelberg. Das bleibt nicht ohne Folgen: So ist die gewichtsbedingte Stigmatisierung laut Luck-Sikorski beispielsweise eine Ursache dafür, dass deutlich mehr Menschen mit Adipositas eine Depression entwickeln, verglichen mit Normalgewichtigen.
Im Praxisalltag ist es nicht damit getan, den Betroffenen zu mehr Bewegung und reduzierter Nahrungsaufnahme zu raten. Zumal in Fitnessstudios, bei Kursen oder im Schwimmbad meist keine “Willkommenskultur” herrscht und die Menschen selbst dann Ablehnung erfahren, wenn sie trainieren möchten. Auch empfiehlt Luck-Sikorski, das Thema Adipositas nicht anzusprechen, ohne die Betroffenen vorab zu fragen, ob sie dazu bereit sind.
“Patientinnen und Patienten haben ein Recht auf nicht-Behandlung und nicht-Ansprechen”, betonte die Psychologin. Um Stigmatisierung zu vermeiden, sei es wichtig, zu akzeptieren, was die Betroffenen berichten – etwa, dass trotz massiver hypokalorischer Diät kein Gewichtsverlust stattfindet – auch wenn es sich dabei um eine “subjektive Wahrheit” handele.
Eisenversorgung ohne Fleischverzehr
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass tierische Lebensmittel generell mehr Eisen enthalten als pflanzenbasierte: So finden sich in 100 g Linsen 4–8 mg Eisen, gegenüber 4–5 mg in einem Steak von 100 g. Auch gegen eine schlechtere Bioverfügbarkeit von pflanzlichem Eisen sprechen aktuelle Daten [6].
Wie der Biochemiker Prof. Klaus Günther aus Bonn berichtete, ermöglicht der vor wenigen Jahren entdeckte Ferritin-Port, große Mengen an Eisen aus pflanzlichen Quellen aufzunehmen. Daher lässt sich der Bedarf gut durch eisenhaltige Nahrungsmittel decken. Dazu zählen etwa Hülsenfrüchte (z.B. Kichererbsen, Bohnen), Nüsse (z.B. Sonnenblumenkerne) Vollkornprodukte (z.B. Haferflocken, Roggenvollkornbrot) sowie dunkles Blattgemüse (z.B. Spinat, Mangold).
Quelle: Online Fachtag der UGB (Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e.V.) „Themen, die bleiben… Ernährung im Diskurs“, am 13.11.2025
Literatur:
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): www.dge.de
- Schaefer SM et al. Br J Nutr 2023; 129(1): 115–125
- Kaiser A et al. Br J Nutr 2023; 130(2):294–303
- Kaiser A, Fasshauer M. ErnährungsUmschau 2025; 72(1):54–59
- Sikorski C et al. Soc Sci Med 2015; 128:25–30
- Günther K (Hrsg), Springer 2021, ISBN-10: 366261345X, ISBN-13: 978-3662613450
