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Therapeutisches BogenschießenRobin Hood bei der practica

Während die Existenz des exzellenten Bogenschützen Robin Hood historisch zweifelhaft ist, gab es in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Johann Adam Hasenstab tatsächlich einen "Robin Hood des Spessarts". Der wilderte allerdings mit der Flinte. Die modernen Jünger Robin Hoods wandten sich in der Spessartstadt Bad Orb bei der 49. practica 2024 wieder dem Bogen zu – mit einem Intuitiven, ganzheitlich erlebtem Bogenschießen (INGABO).

Ein prüfender Blick von Kursleiter Klaus Oswald, dann geht es um den intuitiv richtigen Moment den Pfeil zu lösen.

Wir zwei Initiatoren, Dr. Thomas Meyer (Psychotherapeut/Sportmediziner) und ich, altgediente Hausärzte, waren von der Kursresonanz im Vorjahr so überwältigt, dass für die practica 2024 ein neues Konzept erdacht werden musste. Im Rahmen des Kongresses wurde die neu gestaltete Bogenhalle der Spessart-Klinik Bad Orb von CA Dr. Gerd Claußnitzer (Klinik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene) den Seminarteilnehmern am 24.10.2024 ganztägig zur Verfügung gestellt.

Die angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden in vier Gruppen zu 6 bis 7 Personen aufgeteilt und in vier aufeinanderfolgenden Workshops á 90 Minuten theoretisch unterrichtet und schwerpunktmäßig zum aktiven Schießen eingeteilt. Wie schon im letzten Jahr übernahm Klaus Oswald, Leiter der Sport- und Physiotherapie der Klinik, die praktisch-sportliche Unterweisung.

Jede Unterrichtseinheit vergeht wie im “Pfeilflug”

Äußerst kompetent, kurzweilig und charmant führte er die neuen “Robin Hoods” in die Welt des Bogensportes ein, stellte dabei die notwendigen Basishandgriffe vor und wies auf persönliche und allgemeine Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen hin. Die medizinisch-psychotherapeutisch-psychosomatischen Indikationen von INGABO erläuterte Dr. Thomas Meyer (s. Kasten unten).

Zur Sprache kamen die eigenen, jahrelangen Erfahrungen beim Erlernen des Bogensports und den vielfältigen Gestaltungs- und Durchführungsoptionen im Rahmen einer hausärztlichen Tätigkeit. Sekundiert wurde er dabei von mir, seinem Zwillingsbruder, mit Beobachtung und Kontrolle der Schießvorgänge. Zusätzlich konnte ich mit paxisnahen Tipps unterstützen.

Aus Sicht der Kursleiter sowie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verstrichen die angesetzten 90 Minuten einer jeden Unterrichtseinheit wie im “Pfeilflug”, weil es Klaus Oswald in pädagogisch bestem Sinn verstand, nicht nur instruktive, sondern auch auflockernde Schießeinlagen für die Bogensport-Begeisterten zu kreieren.

Worin besteht aber nun der Unterschied?

Beim intuitiven Bogenschießen wird ohne bewusste, rationale Entscheidung der Pfeil gelöst, wenn das momentane Empfinden signalisiert: “Jetzt trifft der Pfeil!” Vergleichbar mit dem Werfen eines Steins gelingt es dem Übenden schrittweise, einen Pfeil nur durch intuitive Orientierung am Körpergefühl und durch einen kontinuierlichen Abgleich von Ziel und tatsächlich Erreichtem auf den angestrebten Punkt zu bringen.

Das monokulare Zielen über eine optische Linie (Kimme und Korn) wie bei Präzisionsschützen, entfällt. Viel wichtiger ist es hingegen, den gesamten Schießvorgang vom Aufsuchen des sicheren Standes, der Erfassung des Ziels mit beiden (!) Augen, dem Einspannen des Pfeils in den Bogen bis zum Auftreffen mit allen Sinnen achtsam und aufmerksam wahrzunehmen. Der Einschlag im Zentrum der Zielscheibe (“Alle ins Gold”) ist im Unterschied zu den Sportschützen nebensächlich.

Und hier liegt auch der Schlüssel für die von Thomas Meyer originär vorgenommene Verknüpfung des intuitiven Bogenschießvorganges (s. Tab.1 unten, Spalte A) mit den Elementen der ganzheitlichen Körperwahrnehmung und der Beeinflussung motorischer Haupteigenschaften (Tab.1, Spalte B) sowie der “aktiven Entspannung” und der Förderung zerebraler Ressourcen (Tab.1, Spalte C).

Aus dem reinen Bogenschießvorgang mit einer hauptsächlich zielorientierten Intendierung wird also das Intuitive ganzheitlich erlebte Bogenschießen (INGABO) mit seinem “Bogen-ABC” (Tab. 1).

Dieses ganzheitliche Erleben beruht auf dem Kernkonzept des “bio-psycho-sozialen Modells”, wonach im Umgang mit Menschen sowohl die biologischen Aspekte (organisch begründbare Befunde), die psychischen Dimensionen (Denken, Fühlen, Handeln) als auch die sozialen wie ökologischen Lebenswelten parallel erfasst und für eine erwünschte oder notwendige Intervention genutzt werden sollten.

Fazit

Die Kursbeteiligten der vier practica-workshops konnten durch eigenes Üben erleben, dass Pfeil und Bogen nicht bloß Waffen oder Wettkampfgeräte sind, sondern im Portfolio ärztlicher Arbeit sowohl bei Patienten (Abb. 2) als auch im Rahmen der eigenen Gesundheitsfürsorge (Resilienztraining) nutzbar sind.

Natürlich kann es im realen hausärztlichen Praxisalltag schwierig sein, das Bogenschießen nicht nur für sich selbst zu lernen und zu üben, sondern diese Erfahrung bei Patientinnen und Patienten aktiv umzusetzen und mit ihnen zu teilen. Vor allem in der Anfangsphase sind bei Neueinsteigern Begeisterungsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Motivationskraft und organisatorische Flexibilität gefragt.

Doch wo ist der Gewinn? Sicherlich nicht im pekuniären Bereich. INGABO ist als übendes Verfahren im ärztlichen Bereich nicht abrechnungsfähig. Dennoch können erfolgreiche Interventionen mit Patienten den hausärztlichen Praxisalltag ideell bereichern (s. Fall) und zu einer nachhaltig vertieften Patientenbindung beitragen.

Interessenkonflikte: Es liegen keine Interessenkonflikte im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors vor.

Copyrights: Alle Rechte für Tabellen und Grafiken liegen beim Autor.

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