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ReiseberichtVon Trauminseln und Legenden der Südsee

Wer kennt nicht "Robinson Crusoe" oder die "Meuterei auf der Bounty"? Wahrscheinlich haben viele den Roman, den Daniel Defoe bereits im Jahr 1719 schrieb, schon in jungen Jahren "verschlungen" oder Marlon Brando in der Hauptrolle des meuternden Offiziers Fletcher Christian bewundert. Weniger bekannt sein dürfte, dass es zwei kleine Pazifikinseln gibt, die die historischen Vorlagen zu beiden Werken lieferten und die am besten auf einer Südsee-Kreuzfahrt zu erreichen sind.

Der Ankerplatz in der Baie de Opunohu auf Moorea, den James Cook bereits 1777 „als den schönsten der Welt” bezeichnet hatte.

Inspiration für den Roman “Robinson Crusoe” war die Geschichte des schottischen Seefahrers Alexander Selkirk. Dieser wurde nach einem Streit mit seinem Kapitän auf der knapp 700 km vom chilenischen Festland entfernten kleinen Insel Más a Tierra, die heute Robinson Crusoe Island heißt, ausgesetzt. Selkirk lebte vier Jahre und vier Monate in völliger Einsamkeit und wurde 1709 von einer englischen Fregatte gerettet.

“Über 200 Jahre später machte die kleine Insel nochmals Geschichte, denn am 14. März 1915 versenkte die Besatzung der ‚SMS Dresden’ ihr Kriegsschiff, das während des 1. Weltkrieges im Seegefecht vor den Falkland-Inseln kampfunfähig geworden war, vor den herannahenden Briten”, berichtet unsere Reiseleiterin.

“Heute leben die rund 800 Einwohner von Robinson Crusoe Island vor allem vom Hummerfang und dem Tourismus. Für den Landgang empfehle ich Ihnen einen Spaziergang zum spanischen Fort Santa Barbara oder – für Sportliche – eine Wanderung zum Selkirk Viewpoint, von wo aus der Ausgesetzte täglich nach Schiffen Ausschau hielt”, erfahren wir weiter.

Als wir uns anschicken, den Spuren von “Robinson Crusoe” zu folgen, macht uns der Hafenmeister der Insel aber leider einen Strich durch die Rechnung, da er die Bucht wegen der starken Fallwinde und des zu hohen Wellengangs für Tenderboote sperrt.

Die Nachfahren der “Meuterer der Bounty” kommen zu Besuch

Gottlob ereilt uns dieses Schicksal nicht beim Tendern auf die faszinierende Osterinsel, aber dann nach zwei weiteren Seetagen vor der kleinen, etwa 2.300 km von Tahiti und rund 5.300 km von Auckland entfernten Vulkaninsel Pitcairn. Hier hat nämlich die meuternde Besatzung der “Bounty” im Jahr 1790 nach monatelanger Irrfahrt und Flucht vor der englischen Marine ihr Schiff versenkt.

Die raue Brandung in der Bounty Bay, der kein Riff vorgelagert ist und wo sonst das in 3 bis 5 Meter Tiefe liegende Wrack zu bewundern wäre, verhindert erneut den Landgang. Stattdessen kommen uns auf der “Artania” gut ein Dutzend der 40 Einwohner des nur 5 qkm großen Eilands nach einer waghalsigen Fahrt auf einem Lastkahn mit einem reichen Souvenir-Angebot im Gepäck besuchen.

“Wir leben hier bereits in der 6. Generation als Nachfahren der “Bounty”-Meuterer und ihrer polynesischen Frauen”, erfahren wir von Mella, einer Bewohnerin der Insel, die eine beeindruckende Powerpoint-Präsentation über die wohl kleinste Demokratie der Welt hält.

“Seit 1838 sind wir britische Kronkolonie, es gibt eine – aktuell wegen Kindermangel geschlossene – Schule, einen Arzt, der derzeit aus Polen kommt, und eine kleine Forschungsstation. Besondere Bedeutung für uns hat die ‚Pitcairn Island Marine Protected Area’. Diese rund 850.000 qkm große Meeresschutzzone rund um unsere Insel ist von der UN mit dem renommierten ‚Blue Park Award’ für ihre Biodiversität und den Schutz der Korallenriffe ausgezeichnet worden,” berichtet sie nicht ohne Stolz weiter.

Zwar können wir die Relikte der “Bounty” – Anker, Kanonen und die Bibel des Schiffs befinden sich in der kleinen Siedlung Adamstown – nur auf Bildern bewundern, doch übt die kleine Insel auf etliche “Kreuzfahrer” einen solchen Reiz aus, dass einzelne Gäste, die teilweise schon mehrfach die Insel nicht erreichen konnten, nunmehr schon eine Passage mit dem Versorgungsschiff Aranui von Tahiti aus gebucht haben, um in Pitcairn endlich an Land zu kommen.

Ausgangspunkt für Polynesien ist meist das größte Eiland Tahiti, das inzwischen aber zunehmend europäisch anmutet. Hier ging im April 1769 der “Entdecker der Südsee”, der berühmte Seefahrer James Cook, mit seinem Schiff Endeavour an Land. Auch Paul Gauguin, der u.a. für seine Gemälde der “Schönheiten der Südsee” berühmt ist und gerade mal 54-jährig 1903 auf der Marquesas-Insel Hiva Oa starb, verbrachte mehrere Jahre auf Tahiti.

Der Zauber der “Gelben Eidechse”

Der eigentliche Zauber der Südsee beginnt in Sichtweite von Tahiti – gerade einmal eine halbe Stunde mit der Fähre entfernt – auf Moorea, einer Vulkaninsel, die der Legende nach die Rückenflosse eines riesigen Fisches darstellt. “Der heutige Name stammt von ‚Moo-Rea’ ab, das übersetzt ‚gelbe Eidechse’ heißt. Wahrscheinlich ist dies der Name einer der ehemaligen einflussreichen ‚Chief’-Familien, die mit der großen königlichen Pomaré-Dynastie in Tahiti verwandt waren. Auch heute noch ist die gelbe Echse das Symbol der Insel”, berichtet unsere Reiseleiterin.

Bereits James Cook soll seinen Ankerplatz in der Baie de Opunohu ‚als den schönsten der Welt’ bezeichnet haben, womit er sicher nicht übertrieben hat. Das Panorama eignet sich auch heute noch bestens als Postkartenmotiv und entschädigt für trübe Wintertage in Europa. Beeindruckend ist auch der Blick vom 240 Meter hoch liegenden Belvédère du Opunohu, von wo aus man eine tolle Sicht auf die gleichnamige Bucht und die Baie de Cook, die durch den berühmten Mont Rotui getrennt sind, hat.

Am Fuße des Aussichtspunktes befinden sich die alten polynesischen Tempelanlagen Marae Afareaito und Titiroa. “Die verschiedenen Plattformen dieser Zeremo-nialanlage dienten als Versammlungsstätten für Häuptlinge, Priester und Krieger, die dort Beratungen über politische, religiöse und soziale Fragen, die das Gemeinschaftsleben betrafen, abhielten”, erläutert unsere Reiseleiterin weiter.

Weiter geht es zum Tiki Village. Mitte der 80er Jahre hat hier der Franzose Olivier Briac den Nachbau eines alten polynesischen Dorfes intiiert, um die alten Bräuche und die Kultur der Gesellschaftsinseln zu bewahren. In einem kleinen Raum sind auch einige Kopien von Paul Gauguins tollen Gemälden zu bewundern. Da das Museum mit eigenen Werken des Künstlers auf Tahiti ja immer noch geschlossen ist, erhalten wir so wenigstens einen kleinen Eindruck von der Farbenpracht der Südsee.

“Erinnert wird in dem Raum auch an Marlon Brando, der nach Abschluss der Dreharbeiten der ‚Meuterei auf der Bounty’ das 42 km nördlich von Tahiti gelegene Atoll Tetiaroa für 99 Jahre pachtete und dort mit seiner großen Liebe, der polynesischen Tänzerin Tarita Tumi Teriipaia, die in dem Film mitgespielt hatte, viele Jahre lebte. Die Asche, des 2004 verstorbenen Filmstars wurde übrigens – seinem Wunsch entsprechend – teils im Death Valley und teils in der Lagune des Atolls Tetiaroa verstreut”, weiß unsere Führerin zu berichten.

Die Legende von den Aalen mit den blauen Augen

Ein echter Geheimtipp erwartet uns am nächsten Tag auf dem 175 km nordwestlich von Tahiti liegenden Inselatoll Huahine. Unser lokaler Führer Manutea empfängt uns mit dem Wahlspruch der Einheimischen: “Pas trop vite le matin, doucement l‘après-midi”, was übersetzt: “Nicht zu schnell am Morgen und gemächlich am Nachmittag” heißt und somit ein ideales Ziel für Reisende darstellt, denen etwa der Trubel des Hotspots Bora Bora etwas zu viel ist.

Doch auch auf Huahine, das aus zwei Vulkaninseln besteht, gibt es viel zu entdecken. Großartige Aussichten auf das türkisfarbene Wasser der Lagune und vorgelagerte Motus gibt es immer wieder. Und um weiter in die Kultur der Insel einzutauchen, ist ein Besuch der heiligen Aale von Faie ein Muss.

Diese teilweise über einem Meter langen prächtigen Exemplare, die die einheimischen Kinder und die Reiseführer gerne mit Fisch oder Kokosnussfleisch anfüttern, haben nämlich blaue Augen. Und dies angeblich – was kaum verwundert – wegen einer außergewöhnlichen Legende.

Der Mythos besagt nämlich, dass es einst einen mächtigen Geist oder eine göttliche Kreatur gab, die sich in einen Aal verwandelte. Dieser Aal soll sich in eine wunderschöne Prinzessin verliebt haben, doch ihre Liebe war verboten. Bevor der Aal starb, bat er darum, dass sein Kopf in den Fluss geworfen werde, wo er neues Leben fand. Seitdem, so die Legende, tauchten in diesem Fluss mystische Aale mit leuchtend blauen Augen auf. Sie gelten als heilig, und die Einheimischen glauben, dass sie mit der spirituellen Welt verbunden sind.

Auch das archäologische Erbe der Insel ist sehr reichhaltig. Im Dorf Maeva gibt es alte Tempel und Zeremonialanlagen (Marae) sowie acht ehemalige Häuptlingshäuser. Empfehlenswert ist vor allem ein Besuch des Fare pote’e Maeva, eines Museums, das tiefe Einblicke in die polynesische Kultur bietet.

Außergewöhnlich, hinter dem Rathaus von Maeva, sind auch die V-förmigen über 400 Jahre alten, aus Korallenblöcken gebildeten Fischreusen, die auch heute noch nach der Flut und zurücklaufendem Wasser in den Reusen ‚reiche Beute’ bringen. Zu bieten haben die Zwillingsinseln auch eine mitten in der Lagune liegende Perlenfarm, in der die Kunden in die Geheimnisse der schwarzen Perlen eingeweiht werden und diese gerne mit nach Hause nehmen dürfen.

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