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ReiseberichtDas Erbe der Cäsaren und der Geist von Schengen

Schengen in Luxemburg, Apach in Frankreich, Perl auf deutscher Seite. Kaum irgendwo in Europa liegen die Weinberge dreier Länder so nah beieinander. Römische Villen, mittelalterliche Burgen und ein Dreiländersekt verbinden die traditionsreichen Winzerdörfer miteinander.

Nicht weit entfernt ist Luxemburg.

Hier oben in den Weinbergen weht der Wind und es riecht nach feuchter Erde. Wenn am frühen Morgen im saarländischen Perl die ersten Sonnenstrahlen die Weinberge in ein warmes Licht tauchen, erwacht das grenzenlose Dreiländereck.

In den Steilhängen gehen die Winzer durch die Rebzeilen, prüfen die Rebstöcke, schieben Blätter behutsam beiseite und beobachten, wie die Trauben heranreifen. Wo heute die Reben der Moselregion üppig die Hänge hinab ins Tal reichen, verlief einst eine streng bewachte Staatsgrenze.

Wer Nachbarn besuchen, Freunde treffen oder ein Feld auf der anderen Seite bewirtschaften wollte, benötigte einen Passierschein. Den Reben jedoch war das gleichgültig. Sie wachsen tief verwurzelt im gemeinsamen Muschelkalkboden.

Auch die Winzer Thomas Schmitt aus dem Saarland, John Clouet aus Frankreich und ein Kollege von der luxemburgischen Mosel dachten über Grenzen hinaus. So entstand der Dreiländerwein. Eine Cuvée, die Geschichte und Kultur der Region in sich vereint.

Dieser europäische Gedanke ist lebendig geblieben. Der Dreiländersekt “Cuvée trois pays” wird immer noch im Weingut Schmitt -Weber aus handverlesenen Trauben der eigenen Weinberge in Deutschland, Frankreich und Luxemburg hergestellt. Nun steht bereits die nächste Generation bereit. Tochter Katharina Schmitt wird die fast 300-jährige Familientradition fortführen.

Sie erzählt von Rebstöcken, die seit 200, manche sogar seit 300 Jahren Erträge liefern. “Viele Gäste denken bei der Mosel zuerst an Riesling”, sagt die junge Winzerin. “Bei uns fühlen sich vor allem Chardonnay, Weißburgunder, Grauburgunder und der für die Obermosel typische Auxerrois wohl.”

Frische Weine, junge Winzer, alte Traditionen

Das Geheimnis der Weine liegt jedoch nicht allein in der Arbeit der Winzer, sondern tief unter der Erde. “Die kalkhaltigen Gesteinsschichten speichern Wasser, versorgen die Reben mit Mineralien und verleihen den Weinen ihre typische Frische”, erklärt sie.

Jeder Hang, jede Parzelle hat ihren eigenen Charakter. Bereits vor mehr als 2.000 Jahren entdeckten die Römer auf ihrer Handelsroute von Metz nach Trier die sonnenverwöhnten Moselhänge.

Im heutigen Perl erkannten sie das Potenzial der Böden und pflanzten mit dem Elbling die ersten Reben. “So wie die Römer”, sagt Katharina mit Blick auf die Rebstöcke, “bauen wir ihn immer noch an.” Wie prachtvoll das Leben in dieser Epoche war, lässt sich nur wenige Kilometer weiter erleben. Wo einst wohlhabende Römer residierten, erwacht im Archäologiepark der Römischen Villa Borg die Antike zu neuem Leben.

Die weitläufige, detailgetreu rekonstruierte Anlage war kein einfacher Bauernhof, sondern der repräsentative Landsitz einer vermögenden Familie. Ihren enormen Wohlstand verdankten die Gutsherren den reichen Erträgen dieses großen Gutshofs. Auf den fruchtbaren Böden der Region wurde Getreide angebaut, Vieh gehalten und Wein erzeugt.

Hier kümmerten sich die Besitzer um ihre Geschäfte und empfingen Gäste. Bei prunkvollen, festlichen Mahlzeiten wurden erlesene Speisen und der hauseigene Wein in kunstvoll verzierten Keramikgefäßen serviert.

Nach den Geschäften oder üppigen Gelagen entspannten die Römer in den luxuriösen, hauseigenen Thermen. Archäologen legten ab 1987 die verschütteten Überreste dieser monumentalen Anlage frei und rekonstruierten sie. Heute können Besucher durch die herrschaftlichen Räume, die funktionalen Wirtschaftsgebäude und die antike Badeanlage spazieren.

Die Römer sind allgegenwärtig

In Nennig, das sich eng um seinen zentralen Dorfplatz schmiegt, wartet das nächste archäologische Wunder. In einem römischen Gutshof auf einer Fläche von mehr als 160 Quadratmetern gibt es einen Mosaikfußboden, zusammengesetzt aus rund drei Millionen Mosaiksteinen. Es zeigt Gladiatorenkämpfe in der Arena, Jäger im Kampf mit wilden Tieren und Musiker, die das Geschehen begleiten. Entdeckt wurde dieses Meisterwerk der Antike im Jahr 1852 durch reinen Zufall.

Ein Feldarbeiter stieß bei der Arbeit auf dem Acker in rund drei Metern Tiefe auf die ersten Steine. Was zunächst unscheinbar wirkte, erwies sich als eine der spektakulärsten archäologischen Entdeckungen.

Wie lebendig dieses Erbe geblieben ist, zeigt sich im Victor‘s Residenz-Hotel Schloss Berg. In der Eingangshalle empfangen römische Figuren die ankommenden Gäste. Imposante Säulen, detailreiche Wandbilder und dekorative Akzente knüpfen überall im Haus an die mehr als zweitausendjährige Geschichte des Tals an.

Auf die glanzvollen Zeugnisse der Römer folgen im Dreiländereck die wehrhaften Bauwerke des Mittelalters. Auf einem Felsvorsprung über dem lothringischen Dorf Manderen, erhebt sich das Château de Malbrouck. Schon von Weitem zeigen sich vier wuchtige Ecktürme. Wo einst Wachen mit Argusaugen das Tal überblickten, genießen heute Besucher bei einer Tasse Kaffee und frisch gebackenen französischen Croissants die besondere Atmosphäre des Ortes. Perl ist von hier aus wieder schnell erreicht.

Wer sich von dort auf den Weg in Richtung Saarschleife macht, erlebt, wie sich die Landschaft mit jedem Kilometer verändert. Von den Rebhängen geht es hinauf zu den dichten, urwüchsigen Wäldern auf den Höhen des Saargaus. Buchen, Eichen und mächtige Douglasien säumen den Weg.

Große Flächen dieses Naturparks bleiben bewusst sich selbst überlassen. Holzbänke laden am Wegesrand zum Innehalten ein. Genau der richtige Moment, um eine Flasche Dreiländersekt aus dem Rucksack zu holen. Denn nirgendwo schmeckt dieser spritzige Geist besser als mitten in der Natur. Nach vielen Kilometern des Wanderns taucht man schließlich in eine völlig andere Welt ein.

An Tagen mit klarer Fernsicht lohnt es sich, am berühmten Aussichtspunkt Cloef in Mettlach etwas länger zu verweilen. Einfach innehalten, tief durchatmen und schauen. Wer die Landschaft aus noch höherer Perspektive erleben möchte, spaziert über den hölzernen Baumwipfelpfad. Mehr als 200 Meter tiefer zieht die Saar ihre berühmte Schleife zwischen steilen Felswänden und bewaldeten Hängen, als hätte sie alle Zeit der Welt.

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