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Die neben den Pfeilen angegebenen Einstufungen „niedrig“, „hoch“, „gering“ usw. beziehen sich auf die jeweiligen Einflussfaktoren Lebenserwartung, Alter, Einfluss Polymedikation usw. und geben Hinweise auf eine mögliche Abweichung zum Zielwert innerhalb des Zielkorridors.
Merke: Die Erfüllung eines einzelnen Kriteriums alleine ist keine Vorgabe zur Wahl eines niedrigeren oder höheren Therapieziels.
Wiederholte Evaluation der Therapiestrategie sowie der Behandlungsziele im Verlauf der Behandlung ist essenziell, da diese sich durch die Änderung der individuellen Situation verschieben können [5]. Für ältere Patienten kommen Studien zu gegensätzlichen Ergebnissen:
Bei gebrechlichen Patienten in der Altersgruppe 60–80 Jahre bringt nach Ergebnissen der STEP- Studie eine Senkung < 140 mmHg einen Rückgang der Mortalität. Die Autoren empfehlen eine Senkung des systolischen Blutdrucks unter 130 mmHg [10].
In der Leiden-85-Plus Studie [11] war eine medikamentöse Blutdrucksenkung dagegen mit höherer Gesamtmortalität und schnellerem kognitiven Abbau bei schneller Absenkung assoziiert.
Auch in der BOSS-Studie [12] zeigten Patienten mit niedrigem diastolischen Blutdruck (< 60 mmHg) fast 5-mal häufiger (HR = 4,86) einen kombinierten Endpunkt aus Tod oder einem kardiovaskulären Ereignis.
Bei gebrechlichen Menschen oder Patienten mit Multimorbidität sind daher individuelle Anpassungen angezeigt.
Der arriba-Rechner „kardiovaskuläre Prävention“
Er erfasst folgende Parameter: Alter, Geschlecht, systolischer Blutdruck, Rauchen (ja / nein), Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, blutdrucksenkende Medikation (ja / nein), Diabetes (HbA1c), manifeste KHK bei Verwandten 1. Grades.
Die Rolle des Blutdrucks für das 10-Jahres-Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses verdeutlicht folgendes Beispiel eines 69-jährigen männlichen Patienten mit sonst geringen Risiken (Nichtraucher, Gesamtcholesterin 135, HDL 70, kein Diabetes): Bei einem systolischen Blutdruck von 90 mmHg beträgt es 5,5 % und steigt auf 7,4 % bei 115 mmHg und auf 12,5 % bei 175 mmHg. Der Vergleich mit dem Risiko eines durchschnittlichen 69-jährigen Mannes – es liegt bei 15,8 % – hilft bei der partizipativen Entscheidungsfindung.
Hinweis: Besteht bereits eine manifeste Gefäßkrankheit, liegt das 10-Jahres-Risiko immer über 50%. Laut arriba ist dann generell eine maximale Blutdruckbehandlung (Ziel < 140/90 mmHg) erforderlich.
Nichtmedikamentöse Therapie
Die nichtmedikamentöse Therapie ist die Basis jeder Behandlung. Sie ist unabhängig vom Schweregrad der Hypertonie indiziert und sollte bei allen Patienten durchgeführt werden. Auch wenn Medikamente notwendig sind, bleibt die Lebensstilmodifikation eine unverzichtbare Ergänzung.
Besonders wichtig ist die Gewichtsreduktion. Schon eine moderate Abnahme von 5 bis 10 % kann zu einer deutlichen Blutdrucksenkung führen. Ein Ziel-BMI unter 25 kg/m² gilt als günstig, wobei bei älteren Patienten individuelle Anpassungen sinnvoll sind [13].
Die Ernährung sollte salzarm und nährstoffreich sein. Empfohlen wird eine Kochsalzzufuhr von weniger als 6 g proTag. Die DASH-Diät, reich an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, gilt als besonders wirksam [14].
Regelmäßige Bewegung wirkt blutdrucksenkend. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderates Ausdauertraining pro Woche oder 75 Minuten intensivere Aktivität, ergänzt durch muskelkräftigende Übungen an 2 Tagen pro Woche [15].
Alkoholkonsum einschränken: Männer < 20 g pro Tag, Frauen < 10 g/Tag. Noch günstiger ist ein weitgehender oder vollständiger Verzicht.
Ein Rauchstopp ist dringend zu empfehlen, da Rauchen unabhängig vom Blutdruck das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Darüber hinaus sind Stressbewältigung und Entspannungsverfahren wichtige ergänzende Maßnahmen.
Für die nichtmedikamentöse Therapie können auch die Empfehlungen der DEGAM-Leitlinie Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention [16] herangezogen werden.
Medikamentöse Therapie
Die Entscheidung für eine medikamentöse Therapie hängt vom Schweregrad der Hypertonie und vom individuellen Risiko ab. Bei Grad 2 (> 160/100 mmHg) und 3 (> 180/110 mmHg) ist eine sofortige Therapie angezeigt, bei Grad 1 zunächst Lebensstiländerungen, außer es liegt ein hohes Risiko vor. Die Therapie ist meist langfristig, häufig lebenslang [5].
Vier Wirkstoffklassen gelten als gleichwertige Erstlinientherapien: ACE-Hemmer (ACEI), Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB), Kalziumantagonisten und thiazidartige Diuretika. Betablocker sind (im Gegensatz zur Vorgängerversion der NVL Hypertonie) nur bei speziellen Indikationen wie KHK, Herzrythmussstörungen oder Herzinsuffizienz erste Wahl [5].
Merke: Vier Wirkstoffklassen gelten als gleichwertige Erstlinientherapien: ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker, Kalziumantagonisten und thiazidartige Diuretika.
Merke: Bei milder Hypertonie kann eine Monotherapie ausreichend sein. Bei stärkeren Erhöhungen oder unzureichender Kontrolle ist meist eine Zweifachkombination sinnvoll, meist ACEI / ARB kombiniert mit einem Kalziumantagonisten oder Thiazid. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Medikamente wie Diuretika oft erst nach einer Woche ihre volle Wirksamkeit erreichen.
Bleibt der Erfolg aus, folgt eine Dreifachkombination. Von therapieresistenter Hypertonie spricht man, wenn die vereinbarten Zielwerte trotz Dreifachtherapie inklusive Diuretikum nicht erreicht werden. In diesen Fällen kommen Aldosteronantagonisten oder weitere Substanzen hinzu (Abb. 3) [5].
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Fixkombinationen verbessern die Adhärenz und erleichtern die Einnahme, schränken jedoch die Flexibilität in der Dosierung ein. Die NVL bewertet sie insgesamt positiv, empfiehlt jedoch eine individuelle Entscheidung [5]. Neben den Erstlinienmedikamenten stehen weitere Substanzen zur Verfügung: Aldosteronantagonisten bei therapieresistenter Hypertonie, Alpha-Blocker bei gleichzeitiger Prostatahyperplasie, zentrale Alpha-2-Agonisten wie Clonidin in Ausnahmefällen sowie direkte Vasodilatatoren wie Minoxidil bei schwerer therapieresistenter Hypertonie [5].
Interaktionen sind gut erforscht und bei Polymedikation häufig, aber nicht immer relevant. Die Bedeutung der Interaktionen steigt spätestens dann, wenn mehr als zwei Wirkstoffe auf einen Parameter oder auf ein Organ einwirken. Dies können auch Wirkstoffe der Selbstmedikation sein (z. B. NSAR) [5] (Tab. 6).
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Monitoring und Verlaufskontrolle
Nach Beginn einer Therapie ist eine engmaschige Überprüfung erforderlich, erstmals nach 4 bis 6 Wochen. Anschließend richtet sich die Frequenz nach dem Risiko, in der Regel vierteljährlich bis halbjährlich. Neben dem Blutdruck werden auch Laborwerte kontrolliert, um Elektrolytstörungen oder Nierenfunktionsstörungen frühzeitig zu erkennen. Patienten sollten aktiv eingebunden werden, etwa durch Heimblutdruckmessungen und das Führen eines Blutdrucktagebuchs (Abb. 4, Tab. 7).
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Bei älteren Menschen muss eine Übertherapie vermieden werden, um Schwindel, Stürze und kognitive Einschränkungen zu verhindern. Das Ziel liegt < 140/90 mmHg. In der Schwangerschaft gelten besondere Regeln (siehe folgenden Kasten).
Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft [18]
Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES) sind eine der häufigsten und bedeutsamsten maternalen Komplikationen und umfassen die chronische Hypertonie, die Gestationshypertonie, die Präeklampsie sowie deren schwere Verlaufsformen wie HELLP-Syndrom und Eklampsie.
Von einem Schwangerschaftshypertonus spricht man bei erstmals im Rahmen einer Schwangerschaft auffälligen, hypertensiven RR-Werten > 140/90 mmHg bei zuvor normaler Blutdrucksituation (6 % der Schwangerschaften in Europa) [19].
Chronische Hypertonie liegt vor, wenn die Diagnose bereits vor der Konzeption oder im ersten Trimester gestellt wird. Sie stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Präeklampsie dar.
Gestationshypertonie ist definiert als erstmaliges Auftreten von Blutdruckwerten ≥ 140/90 mmHg nach der 20. SSW bei zuvor normotonen Schwangeren, ohne weitere Kriterien der Präeklampsie.
Präeklampsie wird diagnostiziert, wenn zusätzlich zur Hypertonie eine neu aufgetretene Organmanifestation vorliegt (z. B. Nierenfunktionsstörung, Leberbeteiligung, hämatologische Veränderungen oder Wachstumsrestriktion des Feten).
HELLP-Syndrom (Hämolyse, erhöhte Leberenzyme, Thrombozytopenie) tritt häufig im Kontext einer Präeklampsie auf und ist mit hoher maternaler und perinataler Morbidität assoziiert. Typisch sind rechtsseitige Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und laborchemische Auffälligkeiten.
Eklampsie bezeichnet das Auftreten tonisch-klonischer Krampfanfälle in der Schwangerschaft, meist auf dem Boden einer Präeklampsie. Sie ist eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation und kann auch ohne vorherige Hypertonie oder Proteinurie auftreten.
Therapieprinzipien
Antihypertensiva der Wahl sind Methyldopa, Labetalol und Nifedipin; ACE-Hemmer und AT1-Blocker sind kontraindiziert. Bei schwerer Hypertonie (≥ 160/110 mmHg) ist eine sofortige Blutdrucksenkung indiziert. Magnesiumsulfat ist Mittel der Wahl zur Krampfprophylaxe und -therapie bei Präeklampsie / Eklampsie.
Die Entbindung ist bei allen schweren Formen (Präeklampsie, HELLP, Eklampsie) die einzige kausale Therapie; Zeitpunkt und Modus richten sich nach maternaler und fetaler Situation. Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen stellen ein akutes Risiko für Mutter und Kind dar und erfordern ein strukturiertes Management in enger Zusammenarbeit zwischen Gynäkologie, Innerer Medizin und ggf. Perinatalzentren.
Merke: Bei älteren Menschen muss eine Übertherapie vermieden werden, um Schwindel, Stürze und kognitive Einschränkungen zu verhindern.
Zur Förderung der Adhärenz gibt die NVL folgende Empfehlungen:
Bei Nichterreichen individueller Therapieziele und vor Intensivierung der Therapie: Empfehlung zur rüfung der Adhärenz und Lebensstiländerung und Gespräch über Adhärenzbarrieren
Empfehlung zur weiteren Klärung und Vereinbarung individueller Therapieanpassung (u. a. vereinfachung von Dosierungsschemata, externe Hilfen oder Erinnerungssysteme) bei möglichen Adhärenzbarrieren
Bei unzureichender Wirksamkeit verordneter Medikamente: Empfehlung zur Erfragung der Medikamentenadhärenz vor einer Therapieeskalation und ggf. Ermitteln bestehender Barrieren sowie Vereinbarung von Maßnahmen zu deren Überwindung
Bei persistierender Nonadhärenz: Empfehlung zu weitergehenden Maßnahmen zur Überwindung von Adhärenzbarrieren und aktiver Adhärenzförderung, ggf. mit fachpsychologischer bzw. psychotherapeutischer Unterstützung.
Hypertensive Entgleisung oder Notfall?
Eine wichtige Differenzierung ist die Dringlichkeit eines akuten starken Blutdruckanstiegs. Die NVL weist explizit auf die Definition der hypertensiven Entgleisung als Abgrenzung zum hypertensiven Notfall hin. Ein kurzfristiger Blutdruckanstieg auf Werte > 180 mmHg systolisch und / oder > 110 mmHg diastolisch OHNE Symptome eines Endorganschadens ist eine hypertensive Entgleisung, das ist in etwa 75 % der Fall. Sie entsteht meist ohne klar erkennbaren Auslöser [17].
Ziel der Maßnahmen ist eine allmähliche Senkung des Blutdrucks über die nächsten 24–48 h durch Anpassung der vorhandenen oralen Medikation. Als ambulant oral einsetzbare Notfallmedikamente nennt die NVL Amlodipin, Clonidin und Furosemid. Kurzwirksame/sublinguale Medikamente sollen ohne Hinweis auf einen hypertensiven Notfall vermieden werden.
Ein hypertensiver Notfall ist dagegen durch akute Endorganschäden gekennzeichnet und erfordert eine sofortige intensivmedizinische Behandlung (Abb. 5).
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Versorgungskoordination
Die hausärztliche Praxis ist die zentrale Stelle der Langzeitbetreuung. Sie koordiniert die Zusammenarbeit mit Fachärzten bei speziellen Fragestellungen. Medizinische Fachangestellte und Versorgungsassistentinnen (VERAH) können in die Betreuung eingebunden werden, beispielsweise für Patientenschulungen, Monitoring oder Telemedizin. Die Förderung von Patientenschulung und Selbstmanagement ist entscheidend für den Therapieerfolg.
Zusammenfassung
Die gültige Nationale Versorgungsleitlinie Hypertonie von 2023 definiert die arterielle Hypertonie ab einem Praxisblutdruck ≥ 140/90 mmHg.
Die Praxisblutdruckmessung und die häusliche Blutdruckmessung sind die diagnostischen Kerninstrumente. Sie unterliegen methodischen Anforderungen, die strikt eingehalten werden müssen, um valide Ergebnisse zu erzielen.
Die Basisdiagnostik umfasst Serumkreatinin und eGFR, Elektrolyte, Glukose, Lipidprofil, Urinstatus sowie ein Ruhe-EKG.
Ziel ist die Identifikation von Endorganschäden, Begleiterkrankungen und kardiovaskulären Risikofaktoren.
Nach Diagnosestellung erfolgt die individuelle Risikoeinschätzung mittels validierter Scores wie arriba. Die gemeinsame Entscheidungsfindung ist für eine gute Adhärenz zentral.
Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist es, den Blutdruck so weit zu senken, dass das Risiko für Endorganschäden und kardiovaskuläre Ereignisse reduziert wird, ohne dass es zu relevanten Nebenwirkungen oder Beeinträchtigungen der Lebensqualität kommt.
Die nichtmedikamentöse Therapie stellt die Basis jeder Behandlung dar. Sie ist unabhängig vom Schweregrad der Hypertonie indiziert und sollte bei allen Patienten durchgeführt werden.
Vier Wirkstoffklassen gelten als gleichwertige Erstlinientherapien: ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker, Kalziumantagonisten und thiazidartige Diuretika. Betablocker sind in die zweite Reihe gerückt und eher bei weiteren Erkrankungen indiziert.
Die hausärztliche Praxis ist die zentrale Stelle der Langzeitbetreuung. Sie koordiniert die Zusammenarbeit mit Fachärzten wie Kardiologen, Nephrologen oder Endokrinologen bei speziellen Fragestellungen.
Literatur
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Hypertension. 2025;82:e212–e316. doi: 10.1161/ HYP.0000000000000249
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Diese Fortbildung ist gültig vom 16.06.2026 bis 16.06.2027
VNR: 2760909015389460012
Stand: Mai 2026
Autoren: Dr. Reinhard Merz, Dr. Ulrich Scharmer, Dr. Mana Schmidt-Haghiri.
Bei allen Autoren liegen keine Interessenkonflikte vor.
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