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HÄPPI-KonzeptVon der Einzel- bis zur Großpraxis: Mit HÄPPI im Team die Versorgung sichern

Immer mehr Menschen medizinisch versorgen – viele Hausärztinnen und Hausärzte arbeiten jetzt schon am Anschlag. Zur Entlastung wurde das HÄPPI-Konzept ins Leben gerufen, mit dem der Teamgedanke gestärkt wird und besonders qualifizierte, nicht ärztliche Praxismitarbeitende weitere Aufgaben in der Versorgung übernehmen. Eine kleine und eine große Praxis zeigen, wie sie HÄPPI umsetzen.

Teamwork: Mit dem HÄPPI-Projekt wird der Teamgedanke gestärkt.

Dass gut funktionierende Teamarbeit ein Plus für alle bedeutet und die Versorgung der Menschen verbessert, davon hatte sich Dr. Jan Fedorcak bereits bei seiner Arbeit im Krankenhaus überzeugt. Seit April 2022 ist der 41-jährige Hausarzt im baden-württembergischen Schwäbisch Hall in einer Einzelpraxis niedergelassen.

Dass er und sein Team als HÄPPI-Pilotpraxis (HÄPPI – Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell) ausgewählt wurden, kommt nicht von ungefähr. Fedorcak legt großen Wert auf sehr gut ausgebildetes Personal und Arbeit im Team, die allen Spaß macht.

Der Hausarzt beschäftigt drei VERAH, eine davon, Merve Kilicaslan, arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit zum Abschluss ihres Studiums zur Primary Care Managerin (PCM). Eine weitere MFA wird in Kürze ihre Weiterbildung zur VERAH starten. Insgesamt beschäftigt Fedorcak derzeit zwei Vollzeitkräfte, eine Halbzeitkraft und zwei weitere Teilzeitkräfte.

Sehr gut qualifiziertes Personal für Fedorcak das A und O

Genug und sehr gut qualifiziertes Personal ist für Fedorcak der Schlüssel, damit er konsequent delegieren kann und er sich auf Kernaufgaben der hausärztlichen Tätigkeit konzentrieren kann. Gerade auch im Hinblick auf die hohe Zahl der Menschen, die es zu versorgen gilt.

Ein weiterer Aspekt für ihn: Es sei motivierend für die Praxismitarbeitenden, sich weiterzuentwickeln und anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen. Die Wertschätzung drückt sich auch monetär aus: Seine Mitarbeiterinnen erhalten erfolgsbezogene Bonuszahlungen.

HÄPPI bietet Fedorcak den Raum, seine Praxis in seinem Sinne weiterzuentwickeln und neue Dinge auszuprobieren. Dazu gehört auch die Infektsprechstunde, die seine angehende PCM Kilicaslan mittlerweile weitgehend eigenständig durchführt.

“Wir sind ein super Team”, sagt Kilicaslan, von Anfang an habe sich die Zusammenarbeit wie “Familie angefühlt”. Nach der Ausbildung zur MFA hat sie die Weiterbildung zur VERAH absolviert. Das laufende PCM-Studium sei zwar anstrengend, biete ihr aber die Möglichkeit, sich weiter zu qualifizieren. Anfang nächsten Jahres wird sie das Studium abgeschlossen haben.

Mit der Auswahl zur HÄPPI-Pilotpraxis ab dem 1. Juli 2024, so Kilicaslan, hätte sich das Team noch intensiver damit beschäftigt: Wie können wir die Aufgaben bestmöglich verteilen? Eigentlich können alle alles – alle sind aber für bestimmte Aufgaben verantwortlich.

So liegen die DMP, Impfen, Blutabnahme, das QM, Bestellungen, EKG, Langzeit-RR in den Händen der MFA. Die VERAH führen auch eigenständig Hausbesuche durch – nur in wenigen Fällen muss Fedorcak selbst zu Patientinnen und Patienten fahren.

Bevor Kilicaslan mit der Infektsprechstunde betraut wurde, war sie bei vielen Arzt-Patienten-Kontakten dabei. Ihren Wissensdurst stillt sie zusätzlich, indem sie in einer Notfallpraxis der KV nebenher arbeitet: “Hier habe ich auch schon viel dazugelernt”, sagt sie. Heute kommen Menschen mit Erkältungen, Blasenentzündungen oder anderen leichten Erkrankungen zu ihr.

Die Entlastung für mich ist sehr groß, sagt Fedorcak. An manchen Tagen sind es zum Beispiel nur zwei, an manchen aber auch zehn Personen oder mehr, die Kilicaslan versorgt. Wenn sich Kilicaslan unsicher fühlt, bespricht sie sich mit dem Hausarzt. Und was meinen die Patientinnen und Patienten dazu? Bisher, sagt Kilicaslan, reagieren sie sehr positiv auf das Angebot.

Ein weiterer Punkt, den Fedorcak vorantreibt, ist die Digitalisierung. Vieles läuft schon gut, wie etwa die Arzt-direkt App, die viele Patientinnen und Patienten nutzen. Termine, Rezeptbestellungen, Überweisungen – alles, was geht, wird online abgewickelt.

Bei einem HÄPPI-Workshop sei er auch auf die Idee des Terminals für die selbstständige Anmeldung der Menschen in der Praxis gekommen und habe es bereits bestellt. Dies werde auch das Team entlasten: Etwa 150 Menschen im Quartal sind es, die ihre E-Gesundheitskarte vergessen haben.

Die Praxis, so Fedorcak, werde auch in Zukunft eine Einzelpraxis bleiben. Dies sei von Anfang an so von ihm gedacht worden. So muss er etwa niemanden fragen, ob er beim HÄPPI-Pilotprojekt des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes und der AOK in Baden-Württemberg mitmachen kann, das die Umsetzung von HÄPPI in zehn Praxen untersucht.

HÄPPI in großer Allgemeinpraxis an drei Standorten

Ganz anders wird HÄPPI in der großen Praxis von Dr. Gisa Weißgerber umgesetzt. An den drei Standorten im südbadischen Staufen, Bad Krozingen und Hausen arbeiten neben ihr noch zwölf Hausärztinnen, ein Hausarzt, zwei Ärztinnen und ein Arzt in Weiterbildung.

20 überwiegend MFA sowie drei Auszubildende komplettieren das Team. Dass die Praxis seit 2014 so gewachsen ist, lag daran, dass Weißgerber, die zunächst in einer Praxisgemeinschaft startete, im Bekanntenkreis Ärztinnen kennenlernte, die wegen ihrer kleinen Kinder nur Teilzeit arbeiten wollten und konnten.

So schuf Weißgerber für diese Wünsche entsprechende Angebote. Ärztinnen für die Praxis zu finden, sei nicht so schwierig, meint die dreifache Mutter. Schwieriger sei es aber, gutes nichtärztliches Fachpersonal zu finden − auch wegen der Nähe zur Schweiz. Im Nachbarland werde deutlich besser bezahlt.

Immer schon habe sie die Arbeit des nichtärztlichen Personals sehr wertgeschätzt, sagt die hausärztliche Internistin. Sie schaue, welche Fähigkeiten eine Mitarbeiterin habe und diese würden gefördert.

Die 38-jährige Nadine Wörner beispielsweise, die ihre Weiterbildung zur VERAH abgeschlossen hat und in Weißgerbers Praxis arbeitet, hat im September das Studium zur PCM begonnen.

Wörner ist begeistert: Das Wissen, das im Studium vermittelt werde, gehe weit über das einer MFA hinaus. Schon in den ersten Monaten des Studiums seien Anamnese und Untersuchungstechniken – wie etwa Abtasten, Abhören etc. vermittelt worden.

Je nachdem, was eine Praxis benötige, werde im PCM-Studium aber auch Wissen zur Abrechnung, zu wirtschaftlichem Bestellwesen oder Praxisführung insgesamt vermittelt.

Eigene Grenzen kennen

Die Vorlesungen finden online mittwochabends, freitagnachmittags und samstagvormittags statt. Zweimal gebe es ein Treffen vor Ort − in Wörners Fall in Mannheim. Sie ist ein Fan von Weiterbildung − das gebe Selbstsicherheit und komme schließlich auch den Patientinnen und Patienten zugute.

Die gelernten Techniken − wie etwa das Auskultieren − setzt sie nun auch bei Hausbesuchen ein. Und wie geht es weiter?

Geplant sind die Einführung einer Infektsprechstunde und die Übertragung von DMP-Aufgaben, sagt Wörner. Dass sie dank des Studiums medizinische Zusammenhänge besser versteht, motiviert sie stark. Wichtig bei der Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten ist ihr, dass diese ihrem Personal Vertrauen entgegenbringen und man andererseits die eigenen Grenzen kennt.

Im Rahmen der HÄPPI-Pilotierung nutzte Weißgerber auch die Gelegenheit, Deliah Reichenbach, von Hause aus Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, im Wundmanagement, bei der Betreuung von Chronikern und für Hausbesuche einzusetzen.

Reichenbach war zuvor nur im Backoffice für Weißgerber nebenher tätig. Hauptberuflich ist sie in einer Klinik angestellt, in der sie im OP arbeitet und nebenher absolviert sie noch ein Studium zum Physician Assistant (PA).

Auch Sozialberatung ein Thema

Die Mitarbeit von Reichenbach in der Praxis funktioniere prima, sagt Weißgerber, diese sei sehr entlastend für die Ärztinnen und Ärzte. Auch die anderen MFA profitierten von Reichenbachs Wissen − etwa bei der Wundversorgung.

Mit Ende des Pilotprojekts Ende 2024 wird Reichenbach wieder hauptberuflich in die Heliosklinik in Müllheim zurückkehren und ihr PA-Studium fortsetzen. Ob sie nach dem Ende des PA-Studiums in Weißgerbers Praxis wechselt, weiß sie noch nicht.

Und wie sehen Weißgerbers Planungen für die Zukunft aus? “Ich teile die Praxis gedanklich in drei große Blöcke ein”, erzählt die Hausärztin. Der eine ist die Prävention, zweiter Aspekt ist die Betreuung von Chronikern und der dritte die Akutversorgung.

“Über die PCM habe ich die Akutversorgung und Chronikerversorgung gestärkt. “Hier möchte ich die Ressourcen noch weiter verstärken”, sagt sie. Der Block Prävention stehe noch aus. Hier überlegt Weißgerber, eine MFA in Richtung Präventivmedizin auszubilden, die auch Fragen zum Case-Management übernimmt.

Die Digitalisierung ist ein weiterer Schritt, über den Weißgerber nachdenkt. Um die Dinge umzusetzen, die ihr vorschweben, will sie zunächst das PVS-System mehr nutzen. Damit sollen “redundante Bürokratiearbeiten” abgebaut und auch die Ressource MFA geschont werden.

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