Berlin. Die Mehrheit der neu niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten würde sich erneut für eine eigene Praxis entscheiden. Allerdings empfinden viele die überbordende Bürokratie und die dadurch fehlende Zeit für Patienten als belastend. Das sind zentrale Ergebnisse einer Befragung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am Donnerstag (27. März) vorgestellt hat.
Demnach sind über alle Fachgruppen hinweg 77 Prozent der Befragten auch im Jahr nach der Niederlassung zufrieden mit ihrer Entscheidung. Nur knapp 10 Prozent gaben an, sie würden die Entscheidung nicht noch einmal treffen, der Rest ist unentschlossen. Bei den Hausärztinnen und Hausärzten sind es 69 Prozent, 13 Prozent würden den Schritt nicht noch einmal gehen.
Besonders zufrieden sind hingegen Psychotherapeutinnen und -therapeuten: Hier liegt die Zahl derjenigen, die die Niederlassung nach einem Jahr erneut wählen würden, bei 90 Prozent.
Existenzgründungen unter der Lupe
Für die Untersuchung hatte das Zi im vergangenen Jahr etwa 1.500 Ärzte und Psychotherapeuten befragt, die sich im Jahr 2023 neu niedergelassen hatten.
Die Befragung ist Teil einer Zi-Studie zur ärztlichen und psychotherapeutischen Karrierewahl und Existenzgründungsentscheidungen – kurz KWEX. Das Projekt befasst sich mit der Karrierewahl und den Existenzgründungsentscheidungen von Ärztinnen und Ärzten und soll diese näher charakterisieren.
Ungefähr ein Drittel der Personen in der Stichprobe ließ sich vor dem 40. Lebensjahr nieder, geht aus den Ergebnissen hervor (Durchschnitt 42,62 Jahre). Gut drei Vierten (76 Prozent) der Befragten lebten gemeinsam mit Kindern in einem Haushalt.
Zufriedenheit mit Autonomie, Ärger über Bürokratie
Als besonders positive Aspekte wurden vor allem die berufliche Autonomie und Therapiefreiheit (95 Prozent) sowie eine gute Planbarkeit der eigenen Arbeitszeiten genannt. Viele erleben zudem die von Patientinnen und Patienten entgegengebrachte Wertschätzung als positiv (93 Prozent).
Große Unzufriedenheit herrscht unter den neu Niedergelassenen laut der Studie allerdings über die ausufernde Bürokratie (66 Prozent). Die wiederum führt zu weniger Zeit für die Patientenversorgung, was als negative Begleiterscheinung der Niederlassung bewertet wird (39 Prozent), auch weil die Arbeit nicht selten als körperlich und psychisch stark belastend empfunden wird.
Einzelpraxis häufigste Form der Niederlassung
Einzelpraxen waren die am häufigsten gewählte Organisationsform für die neu Niedergelassenen. Dies betrifft sowohl die Übernahme einer Einzelpraxis mit 35 Prozent als auch die Neugründung mit 27 Prozent. In der Stichprobe spielen zudem Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) eine bedeutende Rolle.
„Entgegen der landläufigen Meinung, für den ärztlichen Nachwuchs käme nur noch ein Anstellungsverhältnis infrage, zeigt unsere Befragung: Das Modell der selbstständigen Niederlassung kann auch weiterhin erfolgreich sein“, kommentiert vor diesem Hintergrund der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.