
Im ersten Quartal 2022 hat vor allen Dingen Omikron für neue Rekordstände beim Krankenstand gesorgt.
Betroffene sehr lange arbeitsunfähig
Die Omikron-Variante hat 2022 neue Rekordzahlen bei den Krankentagen ausgelöst. Inwieweit hier Long- oder Post-Covid noch folgen, ist derzeit nicht abschätzbar. Auch inwieweit hier die Impfungen eine Rolle spielen werden, ist bisher unbekannt.
Ein Prozent, sagt TK-Chef Dr. Jens Baas bei der Pressekonferenz, klinge erst einmal nicht „unglaublich beeindruckend“. Betrachtet man jedoch die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage, sieht die Lage anders aus. Während TK-Versicherte im Schnitt 15 Tage im Jahr krank sind, sind es bei Post-Covid-Patienten im Schnitt 105 Tage.
Bei einer sehr schweren Erkrankung liegt die Zahl der Krankentage noch deutlich höher. So waren Long-Covid-Betroffene, die wegen ihrer Sars-CoV-2-infektion mehr als sieben Tage im Krankenhaus lagen, im darauffolgenden Jahr im Schnitt 168 Tage krankgeschrieben. Bei den Betroffenen, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, waren es durchschnittlich 190 Tage.
Datenqualität miserabel – Politik gefordert
Großes Problem bei der Auswertung der Daten, so Baas weiter, sei ein bekanntes und oft kritisiertes: die schlechte Qualität der ambulanten Diagnosedaten im deutschen Gesundheitssystem. Bis Daten vorlägen und der Patient beim Arzt gewesen war, seien bereits neun Monate vergangen. So sei eine gute Versorgungsteuerung nicht möglich.
Ein zweites Problem: bei Long- bzw. Post-Covid können eine ganze Reihe von Symptomen vorliegen. Ob diese dann immer der Erkrankung zugeordnet würden, sei fraglich. Baas Forderung: „Wir brauchen engmaschigeres Monitoring.“ Dafür müsse die Politik sorgen.
Sein Appell an die Forschung: Das Thema muss besser erforscht werden, damit Behandlungsoptionen und Leitlinien vorhanden sind. Krankenkassen könnten daran arbeiten, qualitativ gute Daten zur Verfügung zu stellen.
App für Patienten mit Fatigue
Um ihre Versicherten zu unterstützen, stelle die TK eine App für Patienten mit Fatigue zur Verfügung. Die „Fimo Health-App“ soll Long-Covid-Betroffene mit Fatigue dabei unterstützen, ihre Symptome besser zu verstehen und einer möglichen Chronifizierung entgegenzuwirken
Baas Fazit: Selbst bei alle den Daten, die vorlägen, bleibe die Dunkelziffer sehr hoch. Das sei „umso trauriger“, nachdem bereits zwei Jahre Pandemie zurück lägen.
Hausärztinnen und Hausärzte mehr unterstützen
Gogolls Rat an Patienten mit Long-Covid: Wichtig sei, den Hausarzt als ersten Ansprechpartner aufzusuchen und nicht das Internet oder Selbsthilfegruppen zu bemühen. „Nur die Hausärztin oder der Hausarzt kann beurteilen, ob Long- bzw. Post-Covid oder eine andere schwere Erkrankung vorliegt“, erklärte Gogoll.
Und nur der Hausarzt könne vernünftig koordinieren und sagen, wo es weiter lang geht. Um alle Patienten gut zu versorgen, sei es außerdem wichtig, die Hausärzte zu unterstützten und dafür zu sorgen, dass ausreichend Kapazitäten – vor allen Dingen auch für die Diagnostik – vorhanden seien.