© Benjamin RannenbergDr. Michael Kulas und Dr. Kristina Spöhrer
Verbandsvorsitzender Dr. Michael Kulas legte in seiner Begrüßung u.a. den Fokus auf den realen oder “analogen” Arzt Patientenkontakt, denn dieser findet in manchen Situationen gar nicht mehr statt, da scheinbar alles digital lösbar ist. Man verschließe sich einer sinnvollen Digitalisierung in keinem Fall, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen.
Der saarländische Minister für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie wurde von Referatsleiter Patrick Unverricht vertreten, der die Grußworte seines Ministers überbrachte. Dr. Kristina Spöhrer, Vorstandsmitglied im Hausärztinnen- und Hausärzteverband und Sprecherin der AG Digitales, begann mit einem historischen Rückblick und ging dabei auf die erheblichen Veränderungen der Arzt Patienten Beziehung, der ärztlichen Versorgung und den Unterschieden im Zugang zum Gesundheitswesen auf dem Land im Vergleich zu urbanen Regionen ein.
Sie zeigte auf, dass es längst eine digitale Gesundheitsakte gibt, dass die allermeisten Praxen digital sind, es aber oft an der sinnvollen Vernetzung und funktionierenden Schnittstellen mangelt. Die verschiedenen Sektoren können noch nicht miteinander digital kommunizieren, da z. B. KIM Schnittstellen im stationären Bereich fehlen. Auch digitale Telefonassistenten, Videosprechstunden und eArztbriefe sowie Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sind längst Realität.
Die Hausärzteschaft verschließt sich keineswegs diesen Neuerungen, sie lehnt es jedoch ab, für schlecht funktionierende, halbfertige und nicht sinnvolle digitale Projekte Zeit und Ressourcen zu opfern. Ihre Forderungen unterstrich sie mit Beispielen, bei denen Sie im Rahmen ihrer standesärztlichen Funktionen durch Intervention bei der Gematik und Politik zum Umlenken und Anpassen von Projekten führen konnte.
Digitalisierung da, wo sie sinnvoll ist
In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert durch Frau Sarah Sassou, Journalistin und Redakteurin des SR, wurde trotz unterschiedlicher Sichtweise in Bezug auf bestimmte Aspekte klar, dass es gemeinsame Interessen gibt, was Digitalisierung angeht. Ausnahmslos alle Teilnehmer wünschen sich die Digitalisierung da, wo sie sinnvoll ist.
Dabei vertrat Frau Mouliya Schumann die Sichtweise der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte. Dr. Christian Braun, ärztlicher Direktor des Klinikums Saarbrücken Winterberg, machte klar, dass ein Verharren in Silos und Abschottung der einzelnen Sektoren im Gesundheitswesen der Vergangenheit angehören. Peter Springborn, Geschäftsführer des Sozialverbandes VdK Saarland e. V., zeigte, dass gerade die Patienten neben den Ärzten bei bestimmten digitalen Angeboten keinerlei Mehrwert erhalten.
Ein weiterer wichtiger Punkt wurde von Sören Schwarzbeck, stellvertretender Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes angeführt: Die lokale, für den Patienten überlebenswichtige Infrastruktur muss unterstützt und gefördert werden, statt international agierenden Playern das “Rosinenpicken” im digitalen Sektor zu ermöglichen. Diese müssten keine Vorhaltung von Dienstleistung mit Personal vor Ort zu Unzeiten, vor allem in ländlichen Regionen betreiben.
Damit würden dem Gesundheitssystem und unseren Dienstleistern lokal wichtige finanzielle Mittel entzogen und die Erhaltung von Krankenhäusern, Apotheken und Praxen geschwächt.
Klarer Wunsch an die Politik: Sinnvolle und funktionierende digitale Angebote und Schutz der lokalen Gesundheitssystem-Infrastruktur. Dafür braucht es nicht unbedingt mehr Geld, aber eine andere Verteilung.