Berlin. Zur Darmkrebsvorsorge können Frauen künftig ebenso wie Männer bereits ab dem Alter von 50 Jahren eine Koloskopie in Anspruch nehmen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag (16. Januar) beschlossen. Zudem wurden die Intervalle bei den Stuhltests vereinheitlicht, was explizit die Umsetzung in der Praxis „vereinfachen“ soll.
Bisher haben Frauen erst ab 55 Jahren Anspruch auf zwei Früherkennungskoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren. Männer hingegen können sich bereits seit Juli 2019 ab einem Alter von 50 Jahren für eine Früherkennungskoloskopie entscheiden.
Diese Unterscheidung war auf der Basis von Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) getroffen worden, führt der G-BA aus. Diese hatten für Männer ein höheres Erkrankungsrisiko ab 50 Jahren aufgezeigt als für Frauen. Eine beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beauftragte Leitlinienrecherche habe jedoch gezeigt, „dass es hinsichtlich der Untersuchungsabstände und -methoden keine nach dem Geschlecht oder Alter differenzierten Empfehlungen für die Darmkrebs-Früherkennung gibt“.
Einheitliche Intervalle für Stuhltests
Zur Vereinfachung hat der G-BA zudem die Intervallvorgaben für die immunologischen Tests (iFOBT) auf nicht sichtbares Blut im Stuhl vereinheitlicht. Frauen und Männer, die im Früherkennungsprogramm keine Darmspiegelung wahrnehmen möchten, können ab 50 Jahren zukünftig alternativ alle zwei Jahre einen iFOB-Test machen. Bislang kann dieser Test im Alter von 50 bis 54 Jahren jährlich erfolgen, ab dem Alter von 55 Jahren im Zwei-Jahres-Abstand.
Der Beschluss tritt – nach Prüfung durch das Bundesgesundheitsministerium – frühestens zum 1. April in Kraft. Bis dahin werden die Versicherteninformationen des G-BA zur Darmkrebsfrüherkennung an die Neuerungen angepasst.
Darmkrebsvorsorge künftig schon ab 45?
Zusätzlich berate der G-BA auch, “ob ein früherer Beginn der Darmkrebsvorsorge ab dem Alter von 45 Jahren bzw. eine andere Frequenz der Früherkennungskoloskopie sinnvoll sein kann”, teilte am Donnerstag Dr. Bernhard van Treeck, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung, mit.
Außerdem beschäftige sich das Gremium wissenschaftlich mit der Frage, ob und wie der Zugang zur Früherkennung für Menschen mit familiärem Darmkrebsrisiko verbessert werden könne. Mitarbeit GWZ