
Im Gespräch: Dr. Klaus Reinhardt und Jana Sauer, stellvertretende Chefredakteurin "Der Hausarzt".
Der Deutsche Hausärzteverband hat Reinhardt – ebenso wie den anderen neu gewählten Vorstandsmitgliedern – am Donnerstag (18. Mai) gratuliert. Die Wiederwahl Reinhardts sei “eine sehr gute Nachricht für die deutsche Ärzteschaft”, erklärte Bundesvorsitzender Dr. Markus Beier. “Es ist ihm in den vergangenen Jahren gelungen, die Ärzteschaft – egal, ob ambulant oder stationär tätig – zusammenzuführen.” Der Deutsche Hausärzteverband hatte die Kandidatur von Reinhardt frühzeitig unterstützt.
Einmal wöchentlich in der Praxis
Nicht zuletzt weiß Reinhardt als Facharzt für Allgemeinmedizin, worauf es im hausärztlichen Alltag ankommt. Noch immer sei er einen Tag in der Woche – in der Regel montags – in der Praxis, wie er im Gespräch mit „Der Hausarzt“ erzählt. 1993 hatte der heute 62-Jährige die elterliche Praxis in Bielefeld übernommen.
Hier bekomme er die steigende Arbeitsbelastung am eigenen Leib mit.
Gesundheitskioske fördern unkoordiniertes “Gewusel”
Flächendeckend Gesundheitskioske zur „Entlastung“ der hausärztlichen Versorgung weist Reinhardt dabei kritisch zurück. Diese könnten punktuell in sozialen Brennpunkten eingesetzt – so wie ursprünglich angelegt – zwar Sinn machen, flächendeckend ein Konkurrenzprodukt zu bestehenden, gut funktionierenden Strukturen zu schaffen, sei jedoch „Unsinn“.
Vielmehr förderten sie eine unkoordinierte Inanspruchnahme und damit Zunahme eines „Gewusels“, so Reinhardt.
Dieses “Gewusel” einzudämmen, sieht der Deutsche Hausärzteverband als eine der drängendsten Aufgaben der neuen Amtszeit Reinhardts.
To-dos aus Hausarztsicht
So nannte Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth, erste stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, als ein zentrales Thema für die Arbeit der BÄK in den kommenden vier Jahren die bessere Steuerung der Patientinnen und Patienten. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis der gesamten verfassten Ärzteschaft, dass die Patientinnen und Patienten nicht mehr unkoordiniert durch das System geschickt werden sollen.”
Buhlinger-Göpfarth betonte, dass die Koordination nur durch die Hausarztpraxen auf höchstem Qualitätsniveau gewährleistet werden kann. „Wie dringend eine koordiniertere Form der Versorgung nötig ist, zeigen unter anderem die überfüllten Notaufnahmen, in denen viele Menschen landen, weil sie schlichtweg nicht wissen, an welche Versorgungsebene sie sich wann wenden sollen,“ so Buhlinger-Göpfarth weiter.
Neben der Bearbeitung der aktuellen politischen Themen mahnte der Deutsche Hausärzteverband auch eine Reform des Deutschen Ärztetages an. „Nicht erst in diesem Jahr ist deutlich geworden, dass sich der Deutsche Ärztetag reformieren muss. Es braucht eine deutlich fokussiertere Auseinandersetzung mit den drängenden Themen – auch, um sicherzustellen, dass klare Botschaften in Richtung Politik und Öffentlichkeit gesendet werden. Das ist aus unserer Sicht eine der Aufgaben, die die Bundesärztekammer mit Herrn Dr. Reinhardt an der Spitze, in den kommenden Jahren angehen muss”, so Buhlinger-Göpfarth.