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KongressberichtDie Psyche in Krisenzeiten

"Die Psyche in Krisenzeiten" - so lautete das Motto des diesjährigen Psychiatriekongresses (DGPPN). Denn die komplexen Herausforderungen unserer Zeit gefährden die psychische Gesundheit.

45 Prozent der Bundesbürger sind direkt oder indirekt von Depressionen betroffen.

Forderung nach politischer Priorität

Wir leben in einer Zeit der Krisen und Konflikte, die sich wechselseitig verstärken. “Das macht die psychische Gesundheit zu einem der wichtigsten Güter der Bevölkerung, das wir durch Prävention und Behandlung schützen müssen”, so Prof. Andreas Meyer-Lindenberg, Präsident der DGPPN.

Niemand sei vor einer psychischen Erkrankung gefeit. Jedes Jahr treffe es in Deutschland 18 Millionen Menschen. Mit der Kampagne “Deutschland verdient eine bessere Behandlung” sollen öffentlich sichtbar die Belange der Betroffenen mit einer psychischen Erkrankung thematisiert und ein Forum für den gesellschaftlichen Diskurs geschaffen werden.

“Psychische Gesundheit muss politische Priorität bekommen”. Nur so könne gewährleistet werden, dass alle Betroffenen die psychiatrisch-psychotherapeutische Unterstützung bekommen, die sie benötigen.

Verlust des seelischen Gleichgewichts

“Das Wissen der Psychiatrie kann helfen zu verstehen, was gesellschaftliche Krisen mit Menschen machen”, so Prof. Sabine C. Herpertz, Heidelberg. Psychische Krisen bedeuteten den Verlust des seelischen Gleichgewichts, den ein Mensch erlebt, wenn er mit Ereignissen und Lebenssituationen konfrontiert wird, die er im Augenblick nicht hinreichend bewältigen kann.

Psychische Krisen treten dann auf, wenn die aktuellen Lebensumstände in Art und Ausmaß die durch frühere Erfahrungen erworbenen Fähigkeiten zur Erreichung wichtiger Lebensziele oder Bewältigung der Lebenssituation überfordern. Typische Anlässe sind Lebensveränderungen wie der Tod eines ihm nahestehenden Menschen, eine Erkrankung, Trennung oder Arbeitsplatzverlust, Katastrophen, Verlusterfahrungen oder narzisstische Krisen, die den eigenen Selbstwert erschüttern.

“Hinter den intensiven Emotionen in Krisen liegen oft verletzte psychische Grundbedürfnisse wie das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit, nach Orientierung, nach Wertschätzung und innerpsychischer Konsistenz bzw. Autonomie”, so Herpertz. Diese werden entweder zum Ausgangspunkt für psychische Erkrankungen oder ihre Bewältigung führt zu einer positiven Kehrtwendung.

Psychisches Leid geflüchteter Menschen

Geflüchtete Menschen waren vor, während und nach der Migration zahlreichen Belastungs- und Risikofaktoren ausgesetzt. Auch nach der Ankunft werden die Belastungen nicht unbedingt weniger, mitunter kommen neue hinzu: Trennung von der Familie, unsicherer Aufenthaltsstatus, soziale Exklusion, fehlende soziale Unterstützung, Erfahrung von Diskriminierung und Rassismus.

Besonders belastet sind Menschen, die in Sammelunterkünften in zum Teil prekären Zuständen untergebracht sind. “Sie müssen hier oftmals ohne Privatsphäre, ohne Rückzugsmöglichkeiten und ohne Tagesstruktur leben”, so Prof. Dr. Meryam Schouler-Ocak, Berlin.

Diese Umstände trügen dazu bei, dass sich Angststörungen, Depressionen oder Trauma-Folgestörungen entwickeln. Geflüchtete müssten 36 Monate auf eine medizinische bzw. psychiatrische Behandlung warten.

Doch wenn Betroffene nicht adäquat behandelt würden, bestehe die Gefahr der Chronifizierung und chronifizierte Erkrankungen seien im Verlauf schlechter behandelbar, was wiederum die Integrationsfähigkeit beeinträchtigt.

Fragen in Zeiten der Polykrise

Derzeit steht die Gesellschaft unter dem Eindruck mehrerer globaler Krisen, die etwas mit dem Menschen machen. Dabei stellen sich Fragen wie: Fühle ich mich noch mit dieser Welt verbunden, mit den anderen Menschen, mit der Natur oder mit einem Gesellschaftsmodell? Habe ich das Gefühl, ich kann etwas bewirken – in meiner Partnerschaft, in meiner Familie, an meinem Arbeitsplatz, in der Gesellschaft? Erfahre ich Wertschätzung oder droht mir Abstieg? Schöpfe ich Sinn, ein Gefühl von Freiheit und Einzigartigkeit aus Herausforderungen?

“Dabei können globale Ereignisse mit persönlichen Ereignissen in verzweigte Wechselwirkungen treten”, so Herpertz. Das alles führe zu einem gestiegenen Bedarf an psychischer Unterstützung.

Resilienz stärken

“Resilienz kann gerade in Krisenzeiten helfen”, so Dr. Michele Wessa, Mannheim. Unter Resilienz verstehe man eine gelungene Anpassung an sich verändernde Umstände in solchen Krisen mit dem Ergebnis, trotz starker Belastungen psychisch gesund zu bleiben.

Resilienz ist keine statische Eigenschaft, sondern vielmehr ein dynamischer Prozess. “Das heißt, Resilienz ist veränderbar und wir können sie fördern, um sich präventiv auf persönliche oder globale gesellschaftliche Krisen vorzubereiten und gesund zu bleiben”. Zahlreiche Studien konnten zeigen, dass es einem großen Teil der Menschen gelingt, Krisen zu bewältigen und zu überwinden.

Für die Forschung gelte es deshalb, psychologische und neurobiologische Mechanismen zu identifizieren, die Menschen in die Lage versetzen, sich gut anzupassen, um basierend auf diesen Erkenntnissen geeignete Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Einige vielversprechende Resilienzmechanismen konnten bereits identifiziert werden.

Dazu gehören eine flexible Emotionsregulation, soziale Unterstützung, Akzeptanz und eine optimistische Denkweise. Neuere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die wahrgenommene Kontrollierbarkeit schwieriger Situationen ein wichtiger Resilienzmechanismus sein könnte.

Depressions-Barometer

45 Prozent der Bundesbürger sind direkt aufgrund einer eigenen Erkrankung oder indirekt als Angehöriger von Depressionen betroffen. Dies sind die Ergebnisse des 8. Deutschland-Barometer Depression. Befragt wurden 5.000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren.

Obwohl die Familie von vielen Erkrankten als wichtige Stütze erlebt wurde, berichteten 42 Prozent der Erkrankten, dass ihre Angehörigen ihnen nicht helfen konnten, weil sie selbst Probleme mit einer Depression oder anderen psychischen Erkrankungen hatten.

Oft gibt es bei Depression familiäre Häufungen, was dafür spricht, dass die Vererbung eine wichtige Rolle spielt. “Wer einen Elternteil mit Depression hat, bei dem ist das Risiko, an einer Depression zu erkranken, um das zwei- bis dreifache erhöht”, so Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Frankfurt a.M.

Eine Depression könne jeden Menschen treffen. Dabei handele es sich immer um eine schwere oft sogar lebensbedrohliche Erkrankung. Die Lebenserwartung ist um 10 Jahre reduziert und Depressionen sind die häufigste Ursache für suizidale Handlungen. “Wir haben wirksame Behandlungen, es gibt aber große diagnostische und therapeutische Defizite”, so Hegerl.

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