Angesichts der Vielzahl von Inhalationsgeräten, die sich auf dem Markt befinden, sind Fehler in der Handhabung vorprogrammiert. Es reicht nicht aus, bei der Neueinstellung von Asthma- oder COPD-Patienten Wirkstoff und Gerät zu verordnen und ihn oder sie darauf hinzuweisen, sich die Gebrauchsanweisung anzuschauen – genau dies kommt aber vor.
Spätestens wenn der Therapieerfolg ausbleibt, sollten Sie sich von den Patientinnen und Patienten ihre Inhaliertechnik demonstrieren lassen. Was bei ausbleibender Schulung passieren kann, beschreibt der Essener Facharzt für Allgemeinmedizin und Lungenspezialist Dr. Thomas Hausen in einem Beitrag in der Zeitschrift Pneumologie [1].
Gravierende Mängel
Während seiner Zeit als Schiffsarzt stellte sich ein älterer Passagier bei Hausen vor. Er hatte bereits sechs Jahre zuvor von einem Pneumologen die Diagnose Asthma erhalten und war mit Budesonid/Formoterol via Turbohaler versorgt worden. Aktuell litt er unter Erkältungssymptomen. Er glaubte, sich bei seiner Frau angesteckt zu haben. Da ihm sein behandelnder Arzt geraten hatte, bei jedem Husten sofort ein Antibiotikum einzunehmen, wünschte er eine entsprechende Verordnung.
Außer einem endexspiratorischen Giemen war der Untersuchungsbefund unauffällig. Als er auf Aufforderung seine Inhalationstechnik präsentierte, offenbarten sich jedoch gravierende Mängel: Anstatt das Drehrad an der Basis zum Laden vor- und zurückzudrehen, drehte er es nur nach rechts und nach der Inhalation nach links. Damit hatte er die Substanz erst nach beendeter Inhalation freigesetzt und somit nichts inhalieren können.
Patient atmete ins Gerät aus
Er atmete nicht außerhalb, sondern in das Gerät aus, und inhalierte anschließend langsam und nicht wie gefordert so kräftig wie möglich. Auch das Atemanhalten nach der Inhalation unterblieb. Bisher hatte der Mann noch nie eine Unterweisung in die korrekte Inhaliertechnik erhalten. Nachdem Hausen die Fehler korrigiert hatte, war der Patient bereits am nächsten Tag beschwerdefrei.
Noch wesentlich „kreativer“ war die Inhaliertechnik, die sich ein anderer Patient angewöhnt hatte: Er atmete aus, sprühte dann einen Hub aus seinem Dosieraerosol in seinen Mund, hielt den Atem einige Sekunden lang an und versuchte dann, das Inhalat herunterzuschlucken. In diesem Fall war absolut nichts davon in seiner Lunge gelandet.
Fazit
Abgesehen von Complianceproblemen gefährden 40 bis 50 Prozent der Betroffenen den Erfolg ihrer Inhalationstherapie aufgrund fehlerhafter Technik, schreibt Hausen. Deshalb gilt es, jedem die korrekte Technik zu demonstrieren. Hierfür lohnt es sich, eine Sammlung von Placebo-Devices in der Praxis zu haben. Zudem sollten Sie die Inhalationstechnik regelmäßig überprüfen. Denn auch im Laufe der Zeit können sich neue Fehler schnell einschleichen.
Literatur: 1. Hausen T. Hurdles on the way to the diagnosis of asthma and successful therapy. Pneumologie 2024. doi: 10.1055/a-2319-4464