
Tab. 1: HPV-induzierte Tumoren
Herpes-zoster-Impfung
Neu ist außerdem die Empfehlung, Menschen ab dem Alter von 60 Jahren mit einem Totimpfstoff gegen das Varizella-zoster-Virus zu impfen. Darüber hinaus kann die Impfung als Indikationsimpfung bei Patienten mit erhöhtem Risiko, z.B. wegen Immunschwäche oder einer chronischen Erkrankung, ab dem 50. Lebensjahr erfolgen. Wissen muss man, dass der Impfschutz erst nach der zweiten Impfung wirksam ist und dass die Impfung einen ausreichenden Abstand zu einer durchgemachten Infektion mit dem Virus haben sollte.
(Lesen Sie dazu auch den Beitrag “Herpes zoster nach Shingrix®-Impfung in HA16/19 , S. 8.)
Impfen bei Immunschwäche
Bei Patienten mit Immunschwäche, ob angeboren oder erworben, dürfen Lebendimpfstoffe nicht injiziert werden bzw. sollten mit dem behandelnden Spezialisten diskutiert werden. Totimpfstoffe sind möglich zu impfen, allerdings kann der Impferfolg abgeschwächt sein. Zu “Impfen bei primären Immundefekterkrankungen und HIV-Infektion” und “Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie” hat die STIKO Empfehlungen herausgegeben.
Neuropathischer Schmerz
Nichtopioid-Analgetika sind in der Therapie neuropathischer Schmerzen wenig wirksam. Die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sieht als Mittel der ersten Wahl tri- und tetrazyklische Antidepressiva, den selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin, Antikonvulsiva vom Kalziumkanaltyp und bei peripheren Schmerzen und intakter Haut topische Therapeutika mit Lidocain und Capsaicin. Die Substanzen sind in der Wirksamkeit miteinander vergleichbar. Die Auswahl einer Substanz sollte von Begleiterkrankungen abhängig gemacht werden.
Kontrovers wird in der S3-Leitlinie “Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen (LONTS)” die Gabe von Opioiden, deren Vorteil ein schnellerer Wirkungseintritt ist, diskutiert. Grund hierfür sind Bedenken hinsichtlich der Langzeitsicherheit, sodass man die Langzeittherapie mit Opioiden von ihrer Wirksamkeit und den Nebenwirkungen in den ersten 4 bis 12 Wochen abhängig macht.
Unabhängig von der Schmerzursache müssen Komorbiditäten und Komedikation, Alter, Nebenwirkungen und Kontraindikationen beachtet werden. Das Problem ist, dass selten eine Schmerzfreiheit gelingt und die Wirkung oftmals erst nach 4 bis 8 Wochen eintritt. Ziel ist neben einer Schmerzreduktion (um 30 bis 50 Prozent) die Verbesserung der Schlaf- und Lebensqualität sowie der Teilnahme am Alltags- und Arbeitsleben.
Bei geriatrischen Patienten sollte zusätzlich eine erhöhte Gefahr von Stürzen, Delir und Verletzungen durch zentralnervöse Wirkungen und eine veränderte Pharmakodynamik und -kinetik berücksichtigt werden. Wichtig sind hier niedrige Dosierungen und langsame Auftitrierungen. Topische Therapeutika sind bei älteren Patienten aufgrund ihrer geringeren Nebenwirkungen vorzuziehen.
Biomarker
Die Bedeutung von Biomarkern in der Hausarztpraxis ist zu diskutieren. Die häufig angewendeten Biomarker Troponin, D-Dimere und NT-BNP sollen Akuterkrankungen mit raschem Handlungsbedarf bestätigen oder ausschließen. Dabei besteht das Problem, dass Komorbiditäten die Ergebnisse beeinflussen und damit die Interpretation erschweren, sodass das Ergebnis immer eine Einzelfallentscheidung unter Beachtung des gesamten klinischen Bildes darstellt. Hinzu kommt, dass Schnelltests oftmals keine ausreichende Sensitivität besitzen. Bei den D-Dimeren und beim NT-BNP spielt auch das Alter eine Rolle und muss bei der Testung mitberücksichtigt werden.
Festzuhalten ist, dass sich die Beurteilung von Biomarkern immer auf den einzelnen Patienten – mit Bezug auf die Gesamtsituation – bezieht.
Leitlinien und Empfehlungen
Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2019: https://hausarzt.link/TirGm
Impfen bei primären Immundefekterkrankungen und HIV-Infektion: https://hausarzt.link/g9dDz
Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie: https://hausarzt.link/bsHx3
S2k-Leitlinie Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen: https://hausarzt.link/B7Z5i
S3-Leitlinie Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen (LONTS): https://hausarzt.link/iezRy
TIPP
Ein Update zur Autismus-Spektrum-Störung und zum fetalen Alkoholsyndrom folgt in Der Hausarzt 09/2020.
Mögliche Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert.