Wurden bei ihren Verwandten wiederholt Darmpolypen diagnostiziert, haben Menschen ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Darmkrebs – insbesondere für die Entwicklung der Krankheit in jungen Jahren. Zu diesem Schluss kommen Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Gemeinsam mit Kollegen der Universität Lund in Schweden haben sie eine schwedische Datenbank genutzt, die mit mehr als 11 Millionen Personen mit bekanntem Verwandtschaftsgrad die weltweit größte ihrer Art ist.
Das höhere Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, besteht der groß angelegten Kohortenstudie zufolge bereits bei einem Verwandten ersten Grades mit einer Polypendiagnose (1,4-fach im Vergleich zu Personen ohne familiäre Vorgeschichte). Das individuelle Risiko steigt mit der Zahl der betroffenen Verwandten sowie mit der Diagnosehäufigkeit.
So hat beispielsweise jemand, der zwei oder mehr Verwandte ersten Grades mit wiederholter Diagnose von Polypen hat, ein 2,4-faches Gesamtrisiko und ein ungefähr 4-faches Risiko, bereits in jungen Jahren zu erkranken.
Die Forschenden schlussfolgern, dass eine angepasste Präventionsstrategie nötig ist. “Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, mehr personalisierte Strategien zur Früherkennung von Darmkrebs zu entwickeln, die auf Personen mit einer familiären Polypengeschichte zugeschnitten sind”, so Studienautor Mahdi Fallah.
Fazit für die Praxis: Darmkrebsvorsorge ist in hausärztlichen Praxen ein großes Thema, die Zahl der Vorsorgekoloskopien ist auf einem Rekordhoch (Hausärztliche Praxis 3/25). Erkrankungen werden immer häufiger in früheren Stadien diagnostiziert, einschließlich des gutartigen Polypenstadiums.
Gerade in Hausarztpraxen, die Familien über Generationen betreuen, sind (gehäufte) Polypendiagnosen häufig bekannt und können aktiv angesprochen und einbezogen werden. In den vergangenen Jahren sind ungefähr 12 Prozent aller neuen Fälle von Dickdarmkrebs vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert worden.