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KongressberichtDarmgesundheit beginnt auf dem Teller

Gesunde Ernährung ist ein wichtiger, wenn nicht gar der wesentlichste Bestandteil der Prävention in der Gastroenterologie. Studien offenbaren zusehends deren großes Potenzial – allen voran der mediterranen Kost.

Begriffe wie Darm-Hirn-Achse, Darm-Herz- oder Darm-Lunge-Achse stehen im Fokus zahlreicher Forschungen.

Der Darm fungiert als riesige Kontaktfläche für alle Nahrungsmittel. Ihre durch chemische und bakterielle Verdauung entstandenen Stoffwechselprodukte üben laut Prof. Dr. Birgit Terjung, Chefärztin der Abteilung für Innere Medizin und Gastroenterologie, St. Josef Hospital der GFO Kliniken Bonn, eine direkte lokale Wirkung auf die Darmschleimhaut aus.

Per Fernwirkung beeinflussen diese auch entferntere Organe wie Herz, Gehirn und Lunge”. So stehen Begriffe wie Darm-Hirn-Achse, Darm-Herz- oder Darm-Lunge-Achse im Fokus zahlreicher Forschungen, so Prof. Terjung weiter. “Dass Ernährung ein enormes präventives Potenzial besitzt, ist inzwischen unstrittig”.

Mediterrane Ernährung weiter auf Platz eins

Die traditionelle mediterrane Küche zeichnet sich durch einem hohen Anteil an Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Ölen, wenig verarbeiteten Kohlenhydraten, wenig Fleisch, moderate Mengen an Milchprodukten und mehrmals wöchentlich fetten Fisch mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren aus.

“Diese ausgewogene ballaststoffreiche Kost beinhaltet alles, was eine darmgesunde Ernährung ausmacht”. Entsprechend rangiert sie weiter auf Platz eins der Empfehlungen zur gesunden Ernährung, auch der Deutschen Gesellschaft für Ernährung [1].

Hochverarbeitete Nahrungsmittel sind ein Risikofaktor

Der stetig steigende Konsum hochverarbeiteter Nahrungsmittel [2] birgt umfassende Gesundheitsrisiken [3]. Denn sie enthalten laut Prof. Terjung häufig deutlich höhere Mengen an freiem Zucker, Salz, gesättigten Fettsäuren und Transfetten als nicht verarbeitete. Bereits zehn Prozent an hochverarbeiteten Nahrungsmitteln pro Tag erhöhen das Risiko für Krebserkrankungen um zwölf Prozent, allen voran Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs [4].

“Diese alarmierenden Daten sollten die Stakeholder auf den Plan rufen, effektive Präventionsmöglichkeiten zur Darmgesundheit durch gesunde Ernährung erreichen zu können”.

Verpackungen für Verbraucher besser kennzeichnen

Was steckt in dem, was ich esse? Der Nutri-Score auf den Verpackungen in Form eines Ampelsystems genügt nicht, um das zu beantworten. Denn, so Prof. Terjung: “Er gibt nicht Aufschluss über die Inhaltsstoffe und Informationen zu einzelnen Nährstoffen”. Vor allem lässt sich nicht erkennen, ob es sich um hochverarbeitete Nahrungsmittel handelt.

Insbesondere mit Blick auf diese appelliert Prof. Terjung für die Einführung einer EU-weiten einheitlichen und vereinfachten Kennzeichnung namens FOPL, kurz für Front-of-Pack Labelling. Dies kann bei der Auswahl gesunder Nahrungsmittel unterstützen, damit Ernährungsgewohnheiten verbessern und ernährungsbedingte Erkrankungen verhindern helfen [5], [6].

Keine Werbung für ungesunde Lebensmittel

Nächste Baustelle: Die omnipräsente Werbung für ungesunde Lebensmittel zieht fatale gesundheitliche Folgen nach sich. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche.

“Trotz aller Widerstände der Herstellerlobby sollte der bereits von der Ampel-Koalition formulierte Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Werbung mit Lebensmitteln mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt verstärkt und gesetzlich verankert werden”, fordert Prof. Terjung [7].

Bessere Aufklärung seitens der Regierung

Über die hohe präventive Bedeutung von Ernährung muss besser aufgeklärt und gesund essen bereits von klein auf gelehrt werden. Dazu ist nicht nur eine breite Öffentlichkeitskampagne gefragt, sondern auch die Regierung hat ihren Anteil dabei zu leisten.

“Konkret gesprochen sollten Projekte zur gesunden Verpflegung in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Schulen, Seniorenheimen und Krankenhäusern, unbedingt fortgesetzt und ausgeweitet werden”, so Prof. Terjung.

Auch die Ärzteschaft steht in der Verantwortung

Prof. Terjung spricht sich zudem für eine Ausweitung der ernährungsmedizinischen ärztlichen Expertise durch den Erwerb der Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin aus: “Sie ist eine fundamentale Säule für eine effektive Prävention, nicht nur der gastroenterologischen”.

Besonders Hausärzte stehen hier laut der Expertin im Fokus, “da sie als enge Vertrauenspartner der Patienten eine wichtige Rolle bei der Motivation zur Aufnahme einer präventiv wirksamen, gesunden Ernährung spielen”.

Quelle: Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS) “Gesunder Bauch – gesundes Leben” 2025.

Literatur:

  1.  Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Ernährungsempfehlungen der DGE (2024). https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/
  2. Mertens E. et al. Ultra-processed food consumption in adults across Europe. Eur JNutr 2022; 61: 1521 – 1539.
  3. Lane M. M. et al. Ultra-processed food exposure and adverse health outcomes: anumbrella review of epidemiological meta-analyses. BMJ 2024; 384: e077310
  4. Isaksen I. M., Dankel S. N. Ultra-processed food consumption and cancer risk: A systematic reviewand meta-analysis. Clin Nutr 2023; 42 (6): 919 – 928.
  5. Elmadfa I., Meyer A. L. “Front of Pack-Labelling” als Beitrag zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens. Ernährungs Umschau Int 2019. doi: 10.4455/eu.2019.038
  6. BMEL, Nutri-Score. Einfach. Besser. Essen.
  7. Gemeinsame Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 17.06.2024
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