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Endokrinologie-KongressAnabolika im Fitnessstudio: Durchtrainiert um jeden Preis?

Ungefähr acht bis fünfzehn Prozent der Männer im Fitnessstudio nutzen Anabolika und nehmen dabei hohe gesundheitliche Risiken in Kauf. Bei Nebenwirkungen sind Hausärztinnen und Hausärzte oft der erste Ansprechpartner – der Substanzmissbrauch wird aber nur selten benannt.

Fast zwölf Millionen Menschen in Deutschland sind Mitglied in einem Fitnessclub.

Weimar. Von Schönheitsidealen fühlen sich auch viele Männer unter Druck gesetzt. Für das Ziel, möglich muskulös zu sein, gehen sie mehrmals die Woche ins Fitnessstudio, nehmen Proteinshakes und Nahrungsergänzungsmittel zu sich – und manch einer greift zu anabolen Steroiden.

„Ungefähr acht bis fünfzehn Prozent der Männer im Fitnessstudio nutzen Anabolika“, so Prof. Sven Diederich, Präsident des diesjährigen Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). „Bei den Männern, die Bodybuilding betreiben, sind es deutlich mehr, etwa 30 bis 50 Prozent“.

Bei einigen dieser Männer liege ein Muskeldysmorphiesyndrom vor, erklärte Diederich. Die Muskeldysmorphie ist eine Form der körperdysmorphen Störung, bei der die Betroffenen (meist Männer) zwanghaft und exzessiv trainieren, oft wird auch bei Verletzungen weitertrainiert. Auf die Ernährung wird streng geachtet und Ernährungspläne eingehalten, die den Muskelaufbau fördern sollen. Ihren Körper betrachten die Betroffenen dabei trotz gutem Trainingszustand als zu schmächtig und wenig muskulös. Repräsentative Studien in Deutschland zeigen für Muskeldysmorphie Prävalenzraten zwischen 1,7 und 2,9 Prozent [1].

Folgen: Von A wie Akne bis Z wie Zeugungsunfähigkeit

Werden Anabolika zum Muskelaufbau eingenommen, können sie schwere gesundheitliche Folgen haben, betonte Diederich bei einer Auftaktveranstaltung zum DGE-Kongress (s. Kasten unten). „Beginnt man in einem sehr frühen Alter mit der Einnahme, so mit 15, 16 Jahren, dann schließen sich die Wachstumsfugen zu schnell, sodass die Körpergröße eher klein ausfällt.“ Außerdem könne Akne und eine weibliche Brust auftreten.

Kritisch seien die Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem: „Es besteht das Risiko für Atherosklerose, Kardiomyopathie, Dyslipidämie, und Hypertonie.“ Mögliche hämatologische Folgen seien Polyglobulie, mit verstärkter Gerinnungsneigung und einem höheren Thromboserisiko. Auch neuropsychiatrische Folgen seien möglich: Vermehrte Aggressivität oder affektive Störungen wie Manie und Depression.

Absetzen oft erst bei Kinderwunsch

Durch die Einnahme von Anabolika sei der eigene Hormonhaushalt herunterreguliert, wodurch es häufig zur Infertilität komme. „Das ist tatsächlich auch oft der einzige Grund, weshalb die Einnahme von Anabolika beendet wird“, berichtete der Endokrinologe.

Nach dem Absetzen sei es wichtig, die Patienten ärztlich zu begleiten, es gebe niedrigdosierte Testosteron-Gele für den Übergang, bis das eigene Hormonsystem wieder anspringe, erklärte Diederich. „Je länger Anabolika eingenommen wurde, desto länger dauert es aber, bis der körpereigene Hormonhaushalt sich wieder normalisiert, meist ist eine Sterilität reversibel.“ Es könne allerdings auch zu einer dauerhaften Sterilität kommen, betonte Diederich.

Eine psychosoziale Begleitung sei ebenfalls wichtig, da Betroffene nach dem Absetzen Depressionen entwickeln können. Er empfehle eine interdisziplinäre Betreuung durch Endokrinologinnen und Endokrinologen und Psychologen bzw. Psychiater.

Hausärztinnen und Hausärzte sind bei den unerwünschten gesundheitlichen Nebenwirkungen oft die ersten Ansprechpartner. Bislang ist nicht untersucht, wie oft Freizeitsportler damit beim Hausarzt vorstellig werden, ohne den Anabolika-Gebrauch zu benennen und sich rein symptomatisch behandeln lassen. Die Lektüre von Internetforen zeigt aber, dass es wohl üblich ist, sich Medikamente gegen die Nebenwirkungen verschreiben zu lassen [4].

Fazit

  • Ungefähr acht bis zehn Prozent der Männer im Fitnessstudio nutzen Anabolika.
  • Bei einigen dieser Männer liegt eine Muskeldysmorphiestörung vor.
  • Anabolika können schwere gesundheitliche Folgen haben, u.a. auf das Herzkreislaufsystem wie eine Kardiomyopathie, aber auch hämatalogische, neuropsychiatrische und hormonelle.
  • Bei den unerwünschten Wirkungen von Anabolika sind Hausärztinnen und Hausärzte oft der erste Ansprechpartner, oft wird der zugrundeliegende Anabolikamissbrauch wohl aber nicht benannt.

Quelle: Pressekonferenz anlässlich des 69. Kongresses für Endokrinologie der DGE

Literatur:

  1. doi 61062/ptj202503.005
  2. BZgA-Broschüre „Muskelsucht“: hausarzt.link/aSqBJ
  3. Handbuch Klinische Psychologie, Springer Medizin
  4. Kurzbericht „No Roids Inside – ein Programm zur Prävention des Medikamentenmissbrauchs in Fitnessstudios“, Bundesgesundheitsministerium
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