Berlin. “Inzwischen erreichen uns jede Woche neue Katastrophenmeldungen von der TI und den TI-Anwendungen”, kritisieren die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier am Freitag (20.2.). Das koste Praxen nicht nur viel Zeit, sondern auch immer mehr Geld. Das Mindeste sei, dass die TI-Pauschale spürbar erhöht werde, um so wenigstens die Kosten decken.
Zuletzt sei es zu einer Vielzahl teils sehr umfangreicher Ausfälle der TI gekommen, die zahlreiche Praxen weitgehend arbeitsunfähig gemacht hätten. Gleichzeitig hätten fast alle Praxen in den vergangenen Monaten einzelne TI-Komponenten austauschen müssen. Das betreffe elektronische Heilberufsausweise (eHBA) genauso wie Konnektoren oder SMC-B-Karten, erklärt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband.
Ständiger Teile-Austausch lähmt Praxen
Diese Woche hat ein Anbieter angekündigt, dass Teile der gerade erst herausgegebenen eHBA erneut getauscht werden müsszen. Auch eHBA weiterer Anbieter müssten derzeit aufgrund von Sicherheitsbedenken ersetzt werden. Parallel dazu laufe nach wie vor die Umstellung der Kryptografie von RSA (Rivest-Shamir-Adleman) auf ECC (Elliptic Curve Cryptography), die Hunderttausende einzelne Komponenten betreffe.
“Die Praxen schlagen sich seit Monaten mit immer neuen Austauschprozessen herum, die von den Verantwortlichen allesamt katastrophal geplant und kommuniziert wurden. Anders als häufig behauptet, laufen diese Prozesse nicht rund. Ständig müssen die Kolleginnen und Kollegen externe Techniker in die Praxen bestellen, um die Fehler der Industrie zu beheben. Diese müssen sie in aller Regel aus der eigenen Tasche bezahlen! Das werden wir nicht länger akzeptieren”, so Beier.
Endlich ehrlich und transparent informieren
Buhlinger-Göpfarth ergänzt: “Das anhaltende Chaos und die miserable Performance der Telematikinfrastruktur sind Gift für die so dringend benötigte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die vergangenen Monate haben mehr als deutlich gemacht, dass es so nicht weitergeht. Wir begrüßen daher ausdrücklich, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken angekündigt hat, künftig die Verantwortung zu bündeln und der gematik mehr Durchgriffsrechte gegenüber der Industrie an die Hand zu geben. Klar ist aber natürlich auch: Wenn die gematik diese Rolle ausfüllen soll, dann muss sie der Verantwortung auch gerecht werden. Ein Anfang wäre, endlich ehrlich und transparent über die aktuellen Probleme zu informieren und in der aktuellen TI-Krise den Praxen spürbar unter die Arme zu greifen.” red
