Berlin. Mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CDU, CSU und SPD ist der Absetzungsantrag der Grünen im Bundestag am Mittwochmittag (8.7.) zunächst gescheitert. Im Anschluss stand dann die Beschlussfassung zum GKV-Spargesetz im Gesundheitsausschuss des Bundestags auf der Tagesordnung am Mittwoch.
Abgeordnete von Grünen und Linken wollten erreichen, dass sich das Bundestagsplenum am Freitag nicht mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz befasst. Hierzu hatte es am Mittag eine Geschäftsordnungsdebatte im Bundestag gegeben. Grünen-Parteichef Felix Banaszak bezeichnete den Gesetzentwurf von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) als “Murks”. “Kurzfristig erreichten uns Änderungen auf 278 Seiten”, sagte er den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. “Das ist nicht nur stümperhaft und unprofessionell, das ist eine grobe Missachtung unserer parlamentarischen Arbeit.”
Ein Sprecher des Bundesverfassungsgerichts bestätigte den Eingang eines Eilantrags des Grünen-Abgeordneten Janosch Dahmen. Er will von den Karlsruher Richtern prüfen lassen, “ob in diesem Fall überhaupt noch ein ordnungsgemäßes parlamentarisches Verfahren möglich ist”. Wie schnell das höchste deutsche Gericht eine Entscheidung dazu fällen könnte, blieb zunächst offen.
Verabschiedung erst im September?
Bereits im Sommer 2023 hatte damals ein Eilantrag des damaligen CDU-Abgeordnete Thomas Heilmann in Karlsruhe das Gesetzgebungsverfahren zum sogenannten Heizungsgesetz der Ampel-Koalition gestoppt. Er argumentierte, den Abgeordneten sei für die Beratung des umfangreichen und kurzfristig geänderten Gesetzentwurfs zu wenig Zeit geblieben. Das Bundesverfassungsgericht folgte damals der Argumentation und untersagte dem Bundestag, das Gesetz noch vor der Sommerpause zu verabschieden.
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte im ZDF-“Morgenmagazin”, am Montag hätten die Fraktionen rund 300 Seiten Änderungen erhalten, am Dienstag habe die Koalition erklärt, diese seien noch fehlerhaft. So sei kein solides Arbeiten möglich. Das Gesetz könne auch noch in der ersten Sitzung nach der parlamentarischen Sommerpause im September verabschiedet werden.
Banaszak: “Die Koalition hat es in der Hand”
Banaszak sagte, das Sparpaket der Koalition sei ein “Kürzungskahlschlag”, der die Gesundheitsversorgung gefährde. “Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie eine vernünftige Beratung eines so schwerwiegenden Gesetzes ermöglicht. Wir haben Schwarz-Rot zurückgemeldet, was wir von dem Verfahren halten. Die Koalition hat es in der Hand.” Es gebe bereits Abgeordnete, die juristische Schritte vorbereiteten.
“Wer so etwas Sensibles wie unsere Gesundheitsversorgung im Eilverfahren durchpeitschen will, wird Fehler machen. Ich sehe keinen Anlass, diesem Gesetz zuzustimmen, ich sehe aber auch keinen Anlass, es in dieser Woche im Bundestag überhaupt zur Abstimmung zu bringen”, sagte Banaszak.
Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der Deutschen Presse-Agentur: “Das sogenannte Beitragsstabilisierungsgesetz scheitert bereits an seinem eigenen Anspruch. Die Beitragssätze werden nicht dauerhaft stabilisiert.”
Statt die strukturellen Finanzierungsprobleme zu lösen, würden Kliniken, Arztpraxen und Beschäftigte weiter unter Druck gesetzt, während die Pharmaindustrie an entscheidenden Stellen erneut geschont werde. “Die Folgen werden längere Wartezeiten, weniger Versorgungssicherheit und weitere wirtschaftliche Probleme für Krankenhäuser sein”, warnte Dahmen. Auch für Hausärztinnen und Hausärzte sind einige kritische Punkte im Gesetzentwurf enthalten, weswegen der Hausärztinnen- und Hausärzteverband zu einer bundesweiten Protestkampagne aufgerufen hatte.
Widerstand auch aus den Ländern
Union und SPD streben an, das Sparpaket an diesem Freitag im Bundestag zu beschließen. Es soll dann auch direkt in den Bundesrat kommen, der am Freitag zum letzten Mal vor der Sommerpause tagt. Zustimmungsbedürftig ist das Gesetz nicht, die Länder könnten das Verfahren aber bremsen, indem sie den Vermittlungsausschuss anrufen. Zuvor wollen Union und SPD am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Bundestags noch mehrere Änderungen einfügen.
Auch aus den Ländern gibt es Widerstand gegen den Zeitplan. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kündigte an, einer Fristverkürzung nicht zuzustimmen. Die Landesregierung wolle noch weitere Gespräche mit dem Bund führen. Sollte das Gesetz am Freitag auf die Tagesordnung des Bundesrats kommen, bliebe nur, den Vermittlungsausschuss anzurufen. “Das ist aber nicht unser Ziel.”
Das Paket von Warken soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 von stark steigenden Milliarden-Ausgaben entlasten, um erneute Beitragserhöhungen zu verhindern. Dafür sollen Vergütungsanstiege bei Praxen, Kliniken und der Pharmabranche begrenzt werden. Auf Patientinnen und Patienten kommen unter anderem Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern und höhere Zuzahlungen für Medikamente zu.
Quelle: dpa
