Smarte Inhaler
Inhalationsgeräte können mit immer mehr Zusatzfunktionen ausgestattet werden. Sie registrieren Zeit und Datum der Anwendung, interagieren mit dem Nutzer durch Erinnerungs- und Feedbackfunktionen, messen die Inhalationstechnik und können dank moderner Algorithmen eine Verschlechterung voraussagen, berichtete Prof. Dr. Job F.M. van Boven, Groningen (Niederlande).
In einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 143 Erwachsenen mit Asthma und einem Wert von mindestens 19 im Asthmakontrolltest (ACT) führte die Anwendung eines Inhalers mit einem elektronischen Monitoring und einer Erinnerungs- und Feedbackfunktion (Nexus6) zu einer höheren Adhärenz über sechs Monate im Vergleich zu einem normalen Inhaler (73 Prozent vs. 46 Prozent, p<0,0001). Ein Effekt auf ACT, Lungenfunktion und Exazerbationshäufigkeit zeigte sich nicht.
Anders bei einem Inhaler (Symbicort® Turbuhaler®), der mit einer Mobiltelefon-App (Turbu+™ Insights App) und einer digitalen Datenbasis verbunden ist. In einer Studie verbesserten sich damit sowohl Adhärenz als auch selbst berichtete Asthmasymptome gegenüber der Kontrollgruppe.
Ein Discus-Device mit Biofeedback zur Inhalationstechnik führte bei Patienten mit Asthma oder COPD zu einer besseren Adhärenz als ein Inhalationstraining durch einen ausgebildeten Praxisangestellten oder kein Training. Im Verlauf verbesserte sich auch die erkrankungsspezifische Lebensqualität nach dem St. Georges Respiratory Questionnaire (SGRQ-Abnahme um 6 Punkte).
Für die Zukunft wäre wichtig, eine gemeinsame Datenplattform für die smarten Inhaler zu schaffen, forderte van Boven. Aktuell stehen die meisten elektronischen Monitoringsysteme nur für eine bestimmte Medikation zur Verfügung.
Auf die Jungs kommt es an
Das Gesundheitsverhalten männlicher Adoleszenter hat einen Einfluss auf die Lungengesundheit der späteren Nachkommen, berichtete Prof. Dr. Vivi Schlünssen aus Aarhus, Dänemark. Dabei spielen nach den Ergebnissen der Studie Respiratory Health in Northern Europe, Spain and Australia (RHINESSA) insbesondere Adipositas und Rauchen eine wichtige Rolle für die generationenübergreifende Gesundheit.
Bei Vätern, die bereits in der Pubertät übergewichtig waren, litten Söhne und Töchter häufiger an Asthma als die Kinder von Vätern mit Normalgewicht in der Jugend. Das Rauchen des Vaters in der Adoleszenz war auch ein Risikofaktor für ein nichtallergisches Asthma der Kinder. Wenn der Vater bereits vor dem 15. Lebensjahr begonnen hatte zu rauchen, wiesen Söhne wie Töchter im Mittel eine schlechtere Lungenfunktion auf als die Kinder von Vätern, die nicht oder erst später geraucht hatten.
Das galt selbst dann, wenn der Vater fünf und mehr Jahre vor der Konzeption aufgehört hatte zu rauchen, betonte Prof. Schlünssen. Sie vermutet, dass Übergewicht und Rauchen in der Pubertät nachhaltig auf die Spermatozytenentwicklung einwirken.
Im Tiermodell ließ sich nachvollziehen, dass in Keimzellen durch äußere Faktoren in einer vulnerablen präkonzeptionellen Phase dauerhafte epigenetische Veränderungen der Methylierung entstehen können und so Umweltfaktoren vor der Konzeption die Lungengesundheit der Nachkommen beeinflussen könnten.
Dampfen schwächt genauso wie Rauchen
Wie schädlich die Nutzung von E-Zigaretten (Dampfen oder “Vapen”) für die Lungengesundheit ist und ob diese Form des Nikotinkonsums eine günstigere Alternative zum Rauchen herkömmlicher Zigaretten ist, wird immer noch diskutiert. Jetzt zeigt eine Studie aus Großbritannien, dass die Leistungsfähigkeit bei jungen Menschen, die “dampfen”, leidet.
An der Studie nahmen 60 Personen in der dritten Lebensdekade mit unauffälliger Lungenfunktion in der Spirometrie teil. Zwanzig hatten nie Zigaretten oder E-Zigaretten geraucht, 20 hatten mindestens zwei Jahre lang gedampft und 20 hatten mindestens zwei Jahre lang geraucht. Im Belastungstest auf dem Fahrradergometer erreichten die jungen Vaper eine geringere Spitzenleistung (186 Watt) als die Gruppe, die weder dampfte noch rauchte (226 Watt), aber eine ähnliche Leistung wie die Gruppe der Raucher (182 Watt), berichtete Dr. Azmy Faisal, Manchester.
Bei maximaler Belastung lag der O2-Verbrauch bei Dampfern und Rauchern im Durchschnitt niedriger (2,7 und 2,6 l/min) als bei den Nierauchern (3 l/min). Die Raucher und Dampfer waren stärker außer Atem, litten unter starker Ermüdung der Beine und hatten höhere Laktatwerte im Blut, ein Anzeichen der Muskelermüdung, noch bevor sie ihr maximales Belastungsniveau erreicht hatten. In Bezug auf den Belastungstest ist Dampfen nicht besser als Rauchen, betonte Faisal.
COPD-Exazerbation per App erkennen
Nach einer prospektiven Kohortenstudie wird die Tonlage beim Sprechen bei Beginn einer Exazerbation einer chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung (COPD) etwas höher und der Klang der Stimme stärker gehaucht oder heiser, berichtete Dr. Loes van Bemmel, Maastricht. Das lässt sich per Smartphone-App erfassen und auswerten.
In der Studie mussten Patienten mit COPD dreimal täglich aufnehmen, wenn sie so lange, wie mit einem Atemzug möglich, “Aaah” sagten. Außerdem sollten sie einen kurzen Text vorlesen oder eine Frage beantworten. Anhand von 25 Sprachmerkmalen konnte der Beginn einer Exazerbation identifiziert werden. Van Bemmel hofft, diese Spracherkennung von COPD-Exazerbationen zusammen mit Empfehlungen für Maßnahmen in einer Smartphone-App anbieten zu können.
Salzlösung bei Kinderschnupfen
Die Anwendung hypertoner Nasentropfen mit Kochsalzlösung kann nach einer randomisiert-kontrollierten Studie die Dauer einer Erkältung bei Kindern um zwei Tage verkürzen, berichtete Prof. Dr. Steve Cunningham Edinburgh, Großbritannien. An der Studie nahmen 407 Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren teil. Sie erhielten bei einer Erkältung entweder Nasentropfen mit hypertoner Kochsalzlösung (~2,6 Prozent) oder eine sonst übliche Versorgung.
Bei Anwendung der Salzwassertropfen dauerten die Erkältungssymptome durchschnittlich sechs Tage an, bei der üblichen Versorgung acht Tage. In der Gruppe mit Nasentropfen mit Salzwasser wurden auch weniger Erkältungen an Familienmitglieder weitergegeben und weniger Medikamente eingesetzt als in der Kontrollgruppe.
Antikonvulsivum gegen OSA
Wer Protrusionsschiene und CPAP-Therapie bei obstruktiver Schlafapnoe nicht toleriert, könnte womöglich in Zukunft auf eine medikamentöse Therapie ausweichen. In einer randomisierten Studie zeigte sich bei Einnahme des Antikonvulsivums Sultiam in drei verschiedenen Dosierungen eine dosisabhängige Abnahme des mittleren Apnoe-Hypopnoe-Index mit ≥3 Prozent oder ≥4 Prozent O2-Entsättigung im Blut im Vergleich zu Placebo.
Die Teilnehmer schliefen besser: Arousals, Schlaffragmentierung und Tagesmüdigkeit nahmen ab, Schlafzeit und Schlafeffizienz dosisabhängig zu. Der von Sultiam bekannte blutdrucksenkende Effekt könnte bei Patienten mit OSA ein erwünschter Nebeneffekt sein, da die Patienten häufig eine Hypertonie aufweisen, meinte Prof. Dr. Jan Hedner, Göteborg (Schweden). Eine Phase-III-Studie soll folgen.