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Die Bezeichnung für rezidivierende oder chronische Bauchschmerzen ohne organische Ursache lautet “funktionell”. Nicht immer liegt hier eine Psychopathologie zugrunde, die eine psychotherapeutische Behandlung erfordert. Ziel der Beratung der Eltern ist es, dass diese angemessen mit den Beschwerden ihres Kindes umgehen: Ablenken, Anregung von Bewegung oder Ruhe, Trinken. Nicht hilfreich sind ständige Diäten oder Fernhalten von der Schule.
Bei starken Beschwerden, anhaltendem Schulabsentismus sowie offensichtlicher psychischer Auffälligkeit ist eine kinderpsychiatrische oder -psychologische Abklärung erforderlich.
Mein Tipp: Beziehen Sie die Eltern bei der Diagnostik der Bauchschmerzen mit ein und nehmen Sie sie mit ihren Sorgen ernst, ohne in die häufig praktizierte Überdiagnostik einzusteigen. Hilfreich ist hierfür eine klar strukturierte Diagnostik, die eine mögliche organische Ursache auch für die Eltern nachvollziehbar ausschließt.
Differenzialdiagnosen bei Durchfall
Durchfall (Stuhlfrequenz drei bis fünf mal pro Tag) bei Kindern ist in der Regel harmlos, kann aber auch ernsthafte Probleme bereiten. Insbesondere kleine Kinder und Säuglinge können bei heftigen Durchfällen dehydrieren und bedürfen gelegentlich einer stationären Therapie.
Bei etwa 80 Prozent der akuten Durchfallerkrankungen bei Kindern sind Viren die Auslöser. Rota- und Noroviren sind wegen ihrer enormen Kontagiosität gefürchtet, insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen. Beide Durchfall-Viren haben einen saisonalen Gipfel: Rotaviren in den Monaten Februar bis April, Noroviren den gesamten Winter über. Seit Einführung der Rotavirus-Impfung für Säuglinge ist die Zahl der stationären Einweisungen von Kindern mit Rotavirus-Infektionen deutlich gesunken.
Heftiger und länger andauernd sind oft bakterielle Gastroenteritiden. Diese sind bei Kindern deutlich seltener als bei Erwachsenen. Salmonellen, Campylobacter, enteropathogene E. coli und Yersinien sind die häufigsten Auslöser. Die Ansteckung geschieht in der Regel über verunreinigte Lebensmittel, etwa nicht durchgegartes Fleisch oder Ei. Bei über zwei bis drei Tage andauerndem Fieber sowie blutigen Stühlen sollten Sie frühzeitig an eine bakterielle infektiöse Gastroenteritis denken. Eine Erregerbestimmung ist in den seltensten Fällen erforderlich und hat zudem keine therapeutischen Konsequenzen.
Flüssigkeitsverlust ausgleichen
Die Therapie der akuten Durchfallerkrankung besteht im Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts. Insbesondere Kleinkinder, Kinder mit Grunderkrankungen und fiebernde Kinder sind von Austrocknung bedroht. Der Grad der Exsikkose ist klinisch am starken Gewichtsverlust, am Allgemeinzustand des Kindes (apathisch) und an der mangelnden Urinproduktion (trockene Windel) erkennbar.
Falls die orale Rehydrierung (mit Wasser, Tee, selbst oder industriell gefertigter Elektrolytlösung) nicht gelingt, ist eine stationäre Einweisung indiziert. Medikamente gegen Durchfall wie Lopedium sind im Kindesalter nicht angezeigt.
Das Kind sollte keine fette und zuckerhaltige Nahrung zu sich nehmen. Cola ist aufgrund des sehr hohen Zuckergehalts obsolet! Stillkinder dürfen weiter gestillt werden, Flaschenkinder ihre Flaschennahrung weiter trinken.
Ist das Kind klinisch in guter Verfassung und nimmt ausreichend Flüssigkeit zu sich, können auch wässrig-breiige Stühle toleriert werden, die länger als zwei Wochen andauern – helfen kann dann die Gabe von stuhlfestigenden Lebensmitteln.
Literatur bei der Verfasserin.
Mögliche Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert.