Berlin/Stuttgart. Erstmals wurde bei einem Menschen in Deutschland eine autochthone Sindbis-Virus-Erkrankung nachgewiesen. Betroffen sei ein 60-jähriger Mann aus Baden-Württemberg, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) im aktuellen epidemiologischen Bulletin mit.
Hinweise auf Infektionen in der Bevölkerung gab es bereits zuvor: Spezifische Antikörper waren laut RKI bereits vor Jahren bei Blutspendern aus der Umgebung von Weinheim gefunden worden. Dort war das Virus zuvor in Stechmücken nachgewiesen worden. Nun folgte erstmals ein Nachweis in direktem Zusammenhang mit der Erkrankung.
Bei dem jetzt bekannt gewordenen Fall handelt sich also um den ersten Nachweis, aber nicht um den ersten Betroffenen. “Auch früher haben sich schon Menschen in Deutschland mit dem Sindbis-Virus angesteckt, aber ohne es überhaupt zu merken”, erklärte der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Die verfügbare Datenlage zeige: Infektionen sind selten. “Erkrankungen noch seltener und wenn es sie gibt, werden sie leicht übersehen.”
Während Stechmückensaison sind Infektionen möglich
Der aktuelle Fall bestätige, dass bei bekanntem Vorkommen in Stechmücken und Wildvögeln auch mit Fällen bei Menschen zu rechnen ist, hieß es vom RKI. Bei Patientinnen und Patienten mit Fieber, Hautausschlag und ausgeprägten Gelenkschmerzen solle während der Stechmückensaison bei der Diagnose auch an eine mögliche Sindbis-Virus-Infektion gedacht werden. Eine spezielle Therapie gibt es nicht.
Das Sindbis-Virus (SINV) ist ein Krankheitserreger, der vor allem bei Vögeln kursiert und durch Stechmücken übertragen wird. Es kommt unter anderem in Teilen Nordeuropas, Afrikas, Asiens und Australiens vor. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind nicht bekannt.
“Das Virus ist in weiten Teilen Eurasiens und Afrikas verbreitet, Erkrankungen in größerer Zahl kannte man bislang aber praktisch nur aus Nordeuropa, vor allem aus Finnland und Schweden, und aus Südafrika”, erklärt Schmidt-Chanasit. “Ob das an den Virusstämmen oder schlicht an fehlender Diagnostik liegt, ist noch offen.”
Keine lebensbedrohliche Erkrankung
Typische Symptome der Infektion sind plötzliches Fieber, juckender Hautausschlag und starke Gelenkschmerzen. Damit ähneln die Beschwerden denen bei einer Chikungunya-Viruserkrankung.
Als lebensbedrohlich gilt das Sindbis-Fieber nicht. Ausschlag und Fieber klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, die Gelenkschmerzen können noch viele Wochen oder sogar Monate anhalten und den Alltag erschweren. Eine spezielle Behandlung gegen das Virus gibt es nicht, die Beschwerden werden mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten gelindert. Vorbeugen kann man vor allem durch guten Mückenschutz: lange Kleidung, Mückenspray und Mückennetze.
Der Mann in Baden-Württemberg erkrankte nach RKI-Angaben am 12. Juli. Weil er in einem Stadtbezirk mit etablierten Populationen der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) lebt, hätten die behandelnden Ärzte ihn zunächst auf eine mögliche Chikungunya-Infektion testen lassen. Anschließend sei die Abklärung unter anderem auf SINV erweitert worden – im Zuge dessen sei im September der Nachweis erfolgt.
Quelle: dpa
