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Aus Wissenschaft und ForschungHAEP 05/25: Die DEGAM informiert

Auf diesen Seiten stellt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) neueste medizinische Erkenntnisse vor, die für den Praxisalltag der Hausärztinnen und Hausärzte relevant sind.

Was tut sich in Wissenschaft und Forschung?

Beheizbare Handschuhe bei Arthrose der Hände?

Wärmetherapie wird bei Arthrose oft als hilfreich empfunden und es gibt Hinweise aus Studien, dass verschiedene Formen der Anwendung effektiv sein können. An den Händen ist Wärme relativ unpraktisch anzuwenden, zum Beispiel können Linsen in der Mikrowelle erwärmt und die Hände darin gewärmt werden (“Linsenkneten”).

Mit kommerziell erhältlichen beheizbaren Handschuhen ist Wärmeanwendung jedoch einfacher möglich. Eine Studie untersuchte die Wirkung der täglichen Nutzung von beheizbaren Handschuhen im Vergleich zu Kontrollhandschuhen. Die Kontrollhandschuhe hatten eine LED-Anzeige, die leuchtete, wenn die Heizfunktion eingeschaltet war, aber sie heizten nicht. Es wurden 200 Personen randomisiert, die im Durchschnitt 71 Jahre alt und überwiegend weiblich waren (87 Prozent).

Nach sechs Wochen hatten beide Gruppen die Handschuhe wie angewiesen benutzt (circa 30 Minuten täglich auf höchster Stufe). Die untersuchten Endpunkte (unter anderem Handfunktion, Schmerzskalen) unterschieden sich nicht. Wenig überraschend errieten die meisten Teilnehmenden richtig, ob sie der Interventions- oder der Kontrollgruppe angehörten.

Das Feedback der Teilnehmenden zeigte, dass die Handschuhe – die eigentlich für den Wintersport entwickelt wurden – als zu groß empfunden wurden und das häufige Aufladen der Akkus mit steifen Händen schwierig war.

Fazit: Beheizbare Handschuhe zeigten in dieser Studie im Vergleich zu unbeheizten Handschuhen keinen messbaren Effekt auf die Funktion und Schmerzen der Hände. Es zeigte sich auch, dass kommerziell erhältliche Outdoor-Handschuhe nicht optimal auf die Bedürfnisse von Arthrosepatientinnen und -patienten zugeschnitten sind.

Wenn die Betroffenen Wärmeanwendung als hilfreich empfinden und eine praktikable Anwendungsmöglichkeit suchen, kann individuell die Applikationsform mit Handschuhen dennoch erwogen und versucht werden.

Quelle: Bartholdy C et al. Effect of heated mittens on physical hand function in people with hand osteoarthritis: randomised controlled trial. BMJ. 2024 Dec 17;387:e078222. doi: 10.1136/bmj-2023-078222. PMID: 39689944; PMCID: PMC11650960.

Betablocker bei Angst?

Untersuchungen aus Großbritannien zeigen, dass sich die Verordnungen von Propranolol bei Angststörungen in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt haben. Dies wird auch damit erklärt, dass sich mehr Menschen in Behandlung begeben, ist aber kritisch zu sehen, da Betablocker in Leitlinien gar nicht zur Therapie empfohlen werden und bei Überdosierung gefährlich sein können.

Auch die deutsche S3-Leitlinie rät von Betablockern bei Angst- und Panikstörungen ab und bezeichnet diese Therapieform als obsolet. Die Gabe bei Musikern sei zwar üblich, aber nicht auf andere Patienten übertragbar. Randomisierte kontrollierte Studien zeigen keine Überlegenheit gegenüber Placebo; allerdings stammen diese Studien aus den 1980er Jahren.

In einer qualitativen Studie wurden nun die Motive von Hausärztinnen und Hausärzten untersucht, die Medikamente zu verschreiben.

Die Befragten begründeten den Einsatz mit verschiedenen Argumenten: Sie verwiesen darauf, dass Propranolol offiziell zur Therapie von Angststörungen zugelassen ist und dass die Wirkung auf Angst- und Paniksymptome im Sinne einer positiven Rückkopplungsschleife die Bewältigung von Situationen erleichtern und damit Vermeidungsverhalten reduzieren kann. Darüber hinaus sahen sie Vorteile gegenüber der Verordnung von Benzodiazepinen wegen des fehlenden Abhängigkeitsrisikos und gegenüber Antidepressiva wegen des schnelleren Wirkungseintritts und des akzeptableren Nebenwirkungsprofils.

Als vorteilhaft sahen sie auch an, dass die Betroffenen die Einnahme selbst steuern können und damit die Selbstwirksamkeit gefördert wird. Lange Wartelisten für eine alternative Psychotherapie und die Ablehnung von Psychopharmaka waren weitere Aspekte.

Die Studiengruppe diskutiert, dass die Gründe für die Verschreibung pragmatisch und nachvollziehbar sind und daher der Einsatz von Betablockern bei diesen Indikationen weiter untersucht werden sollte, um Effekte und Sicherheitsbedenken zu überprüfen.

Fazit: In dieser Studie sammeln die Autorinnen und Autoren viele gute Gründe für eine nicht leitlinienkonforme Verordnung. Dabei verurteilen sie nicht uniform, dass Hausärztinnen und Hausärzte nicht leitlinienkonform handeln, sondern empfehlen, aufgrund fehlender Evidenz und Leitlinienempfehlungen besondere Vorsicht bei der Verordnung walten zu lassen, um Überdosierungen zu vermeiden. Es besteht dringender Forschungsbedarf, um Wirkungen und Risiken zu objektivieren.

Quelle: Archer C, Kessler D, Wiles N, Chew-Graham CA, Turner K. GPs‘ views of prescribing beta- blockers for people with anxiety disorders: a qualitative study. Br J Gen Pract. 2024 Oct 31;74(748):e735-e741. doi: 10.3399/BJGP.2024.0091. PMID: 38858099; PMCID: PMC11423348.

Hausärztliche Famulaturen betreuen: Nachwuchsförderung mit Mehrwert

Teil 1: Studierende zur Famulatur aufnehmen – was spricht dafür, was dagegen?

Eine hausärztliche Famulatur ist verpflichtend für Studierende. Sicherlich haben Sie in Ihrer Praxis auch schon entsprechende Anfragen erhalten. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, ob Sie diese Chance zur Nachwuchsförderung nutzen wollen und eine sinnvolle Betreuung leisten können.

Die Approbationsordnung schreibt vor, dass ein Monat von vier Monaten Famulatur in einer hausärztlichen Praxis (Allgemeinmedizin, Innere Medizin mit hausärztlicher Zulassung oder Pädiatrie) abgeleistet werden muss. Die Famulatur muss zusammenhängend an 30 Kalendertagen und zwingend in der vorlesungsfreien Zeit erfolgen.

Die hausärztliche Famulatur kann als einzige Famulatur nicht im Ausland absolviert werden. Auch wenn sie verpflichtender Bestandteil des Studiums ist, werden die Famulaturplätze nicht von den Universitäten vermittelt. Die Universitäten können auch keine Vorgaben machen, wie die Famulatur ablaufen soll oder in welchen Praxen sie durchgeführt werden kann.

Was spricht für die Betreuung von Famulaturen? Viele Studien zur Berufsplanung zeigen, dass alle Erfahrungen, die Studierende in klinischen Praktika, also beim Lernen im “echten” Berufsleben machen, den größten Einfluss darauf haben, welches Fach sie später wählen. Vorlesungen und Seminare an der Universität überwiegen zwar im Studium, haben darauf aber kaum Einfluss.

Das bedeutet aber auch, dass Studierende sowohl durch positive als auch durch negative Erfahrungen beeinflusst werden. Hausarztpraxen bieten grundsätzlich alle Voraussetzungen für positive Lernerfahrungen: Studierende erleben hierarchiearme, freundliche und kompetente Teams, haben klare Ansprechpartner und können im Idealfall im Team einzelne Aufgaben selbst übernehmen.

Die beste Voraussetzung, um Studierende gut zu betreuen, ist Neugier auf ihre Fragen, Lust auf Austausch und darauf, Wissen weiterzugeben und selbst Neues zu lernen. Eine sinnvolle Voraussetzung ist ein zumindest zeitweise verfügbares “eigenes” Sprechzimmer, damit die Studierenden auch ihre ersten eigenen Patientinnen und Patienten befragen und untersuchen können. Je nach Bundesland werden Famulaturen entweder für die Studierenden oder auch für die anbietenden Praxen finanziell gefördert; Informationen dazu finden Sie meist auf den Homepages Ihrer KV.

Eher ungünstige Rahmenbedingungen sind Zeiten, in denen Personalmangel im Team herrscht, neues Personal eingearbeitet wird oder sonstige Umstrukturierungen stattfinden – da fällt es schwer, die Zeit aufzubringen, allzu viele zusätzliche Fragen zu beantworten und für eine weitere Person Ansprechpartner zu sein.

Klar ist, dass ein gewisser Zeitaufwand für die Betreuung eingeplant werden muss, auch wenn viele Praxen berichten, dass die Studierenden im Laufe der Zeit schon einiges an Arbeit abnehmen können.

Neben der eigenen Motivation sind also Raum, Zeit und auch die Offenheit des Teams, Studierende zu integrieren, die besten Voraussetzungen für eine gelingende Famulatur – und damit, um Studierende für unseren Beruf zu begeistern.

Nachwuchs fördern: In der nächsten Folge dieser Serie stellen wir Ihnen vor, wie Sie Studierende am ersten Tag empfangen und im Team willkommen heißen können.

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